Bücher über Comics: Sekundärliteratur für Comiczeichner und -leser

Wer sich näher mit dem Medium Comic beschäftigen möchte, stößt schnell an Grenzen: Buchhandlungen und Bibliotheken haben nur sehr bedingt Sekundärliteratur und Bücher über Comics im Angebot, die die Hintergründe anschaulich, verständlich und mit wissenschaftlichem Anspruch erklären. Aicomic stellt daher einmal einige Standardwerke vor.

Ein Standardwerk der Comicliteratur: Scott McClouds Understanding Comics © Kim Ukura/Flickr

Das Medium Comic wurde lange Zeit nicht ganz ernst genommen und noch heute finden sich nur wenige Publikationen, die sich wissenschaftlich damit auseinander setzen – zumindest auf eine Art und Weise, mit der sowohl Comiczeichner als auch aktuelle Comicleser etwas anfangen können.

Hier und da werden vereinzelte Kapitel angeboten, die einzelne Aspekte aufgreifen und ab und an wagt sich ein Autor, Texte zusammenzustellen. Doch im Großen und Ganzen muss man sich schon sehr anstrengen und die Bibliotheken etliche Male aufsuchen, um wirklich greifbare Literatur zu finden.

Standardwerke der Comic-Sekundärliteratur

Es gibt zwei Bücher, an denen wirklich niemand vorbeikommt, der sich mit Comics und ihrer Machart, ihrer Erzählstruktur und ihren graphischen Möglichkeiten beschäftigt: Will Eisners „Sequential Art“ und Scott McClouds „Understanding Comics“ (zu deutsch: „Comics richtig lesen“). Bei Will Eisner wird dabei sehr auf die Hintergründe und Motivationen der zeichnerischen Entscheidungen und ihre Auswirkungen auf die Erzählung eingegangen, während McCloud häufig anhand von Beispielen Geschichte und Entwicklung des Comicmediums darzustellen, aber auch nicht vergisst, die Wirkungsweise und daraus entstehenden Möglichkeiten, sowie die Begrifflichkeiten beim Comic zeichnen zu erklären. Beide Bücher eignen sich hervorragend als Einstieg in die Sekundärliteratur über Comics.

Für ZeichnerInnen kann auch immer noch die Reihe von Burne Hogarths Zeichenschule empfohlen werden („Dynamic Anatomy“, „Dynamic Figure Drawing“, „Dynamic Light and Shade“ etc.), wobei sein Zeichenstil nicht jedermanns Sache ist – die Erklärungen seiner Lehrbücher, die auch auf Deutsch erschienen ist, helfen aber bei der Entwicklung eines eigenen, dynamischen Stils.

Ein geradezu mythisches Werk, das Comicgeschichte geschrieben hat, darf natürlich hier auch nicht fehlen: Frederic Werthams „Seduction of the Innocent“, das 1954 Comics für so ziemlich alle moralischen Verfehlungen der Jugend verantwortlich machte und nicht zuletzt auch zur Verabschiedung des Comic Codes und der Einstellung der EC Horror Comics (und damit auch zur Erfindung des MAD Magazins) führte. Man kann den Text sogar online lesen und das Buch hat trotz der oftmals lächerlichen Argumentationen, Deutungen und Beispiele allerdings noch immer einigen Unterhaltungswert – und an manchen Stellen kann man sogar über die Wahrheit der Aussagen nachdenken (die Beziehung zwischen Batman und Robin beispielsweise).

Comicfilme, Manga und Graphic Novels

Comic-Verfilmungen nehmen auch bei Büchern über Comics einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert ein, jedoch werden meistens einzelne Filme aus der unüberschaubaren Zahl herausgepickt, die dann entweder mit ihrer Vorlage oder ähnlichen Filmen verglichen werden. Eine gute und vor allem recht aktuelle Sammlung zu diesem Thema findet sich bei Andreas Friedrich: „Superhelden zwischen Comic und Film (2007, Ed. Text & Kritik), während sich Scott Bukatman in seinen „Matters of Gravity“ (2003, Duke University Press) vor allem den Special Effects widmet, die ja nicht zuletzt für den Erfolg der Comicfilme verantwortlich sind.

Zum Bereich der Manga hat Jaqueline Berndt einige Vorarbeit geleistet: Ihr „Phänomen Manga“ (1997, Hassowitz) hat sich bereits mit den japanischen Comics beschäftigt, als die hiesige Szene noch gleichmäßig zwischen „Akira“-Lesern und „Sailor Moon“-Zuschauern geteilt war. Die „Deutsche Comicforschung“ beschäftigt sich derweil mit dem historischen Teil des Mediums hierzulande.

Darüber hinaus, gestaltet es sich allerdings weiterhin schwierig, deutsche Bücher zum Thema Comics zu finden, die nicht aus sozialpädagogischer Sicht der 70er Jahre geschrieben sind (und dabei meistens auf Knollennasen und Zack-Bumm-Sprechblasen beschränkt bleiben). Der Advent der Graphic Novel hat zwar auch bei der Sekundärliteratur dazu geführt, dass man das erwachsene Potential des Mediums erkannt hat, doch auch dieser Ansatz beschränkt Comics nur unnötig – ja, Comics sind nicht nur für Kinder, aber sie sind eben auch nicht nur für Erwachsene. Für Graphic Novels kann man sich das von Heinz Ludwig Arnold herausgegebene „Comics, Mangas, Graphic Novels“ (2009, Ed. Text & Kritik) einmal ansehen oder eine der vielen Artikel zu „Maus“, „Barfuß durch Hiroshima“ oder „Persepolis“.

Comicmagazine und Interviews mit Zeichnern und Autoren

Immer wieder interessant und lehrreich sind Interview-Bücher wie zum Beispiel „Artists on Comic Art“ von Mark Salisbury und auch kommentierte Artbooks (Olivier Vatines „Le petit livre rouge“ fällt dazu ein und Dave Gibbons‘ „Watching the Watchmen“) können neue Einblicke eröffnen. Wer Fragen und Antworten zu Comics aktuelleren Datums oder zu neuen Veröffentlichungen sucht, kann sich aber vertrauensvoll an regelmäßige Magazine wie die „Comixene“, „Die Sprechblase“ oder „Xoomic“ wenden, während auch Comixenen-Mitbegründer Andreas C. Knigge immer wieder neue Bücher herausgibt, die sich internationalen wie auch deutschen Comicaspekten widmen.

Ansonsten bleibt es aber dabei: Man muss als Zeichner und Leser bei seiner Recherche geduldig und findig sein, um Bücher über Comics zu entdecken, die nicht hoffnungslos veraltet sind, eine eigenartige Medienkritik beinhalten oder bei denen die Comicabschnitte nur Teil eines größeren Ganzen sind.

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