Comic-Verfilmungen: Die Geschichte der Kino-Adaptionen

Comic-Verfilmungen sind beinahe so alt wie die beiden Medien selbst: Als Film und sequentielle Kunst noch in ihren jeweiligen Frühphasen ihre Möglichkeiten ausloteten, machten sich bereits die ersten Schnittstellen bemerkbar. Und auch, wenn beide auf völlig unterschiedliche Weise erzählen, sind doch Adaptionen in beide Richtungen ein immer wiederkehrendes Thema.

Kino-Adaptionen von Comics, gute wie schlechte, gelungene wie missratene, finden sich in allen Jahrzehnten seit der Erfindung der Kamera und der Etablierung der sequentiellen Kunst: Während Comiczeichner schon früh in den Animationsbereich vordrangen (man denke an Winsor McCays („Little Nemo in Slumberland“) „Gertie the Dinosaur“ von 1914), haben sich auch Filmemacher ebenso bald mit den Möglichkeiten von Adaptionen im Zeichentrick und Realfilm beschäftigt. Gezeichnete Versionen sollen bei der Geschichte der Comic-Verfilmungen hier einmal außen vor gelassen werden, da sie anderen Maßstäben folgen und gerade auf dem japanischen Markt oftmals Hand in Hand miteinander gehen, wodurch es zu einer schier unüberschaubaren Menge kommt.

Kinosaal © schoschie/Flickr

Eine kurze Geschichte der Comic-Verfilmungen

Eine der ersten Comic-Verfilmungen war eine Stummfilmvariante der „Katzenjammer Kids“ von Rudolph Dirks aus dem Jahr 1898, doch besonders populär wurden Adaptionen zum ersten Mal mit dem beinahe gleichzeitigen Aufkommen von Superhelden-Comics und Serials: Sowohl „Batman“ als auch „Superman“ und „Captain America“ bekamen ihre eigenen, mehrteiligen Kinoabenteuer im Stil von „Flash Gordon“, „Zorro“ und „Buck Rogers“.

Die immense Begeisterung für die 60er Jahre „Batman“-Serie mit Adam West und Burt Ward führte einerseits zu einer Comic-Renaissance, andererseits wurde durch den Camp-Faktor auch vorerst ein Schlussstrich unter die Comic-Adaptionen gezogen. Erst der Richard Donner „Superman“-Film mit Christopher Reeve („You will believe a man can fly!“) konnte neues Interesse an Kino- und vor allem TV-Versionen der altgedienten Superhelden wecken und der „Hulk“ mit Bill Bixby wurde ebenso produziert, wie eine „Spider-Man“ Serie, von denen einige Teile in Deutschland auch auf die große Leinwand kamen.

In den 80ern waren es vor allem redlich misslungene Versuche, die Marvel-Helden zu verfilmen, die meistens als Direct-to-Video-Produktionen eher im B-Movie Bereich anzusiedeln sind. Der „Punisher“ mit Dolph Lundgren, „Captain America“ und selbst der erst 1998 gedrehte „Nick Fury“-Film mit David Hasselhoff fallen in diese Kategorie.

Mit der ersten großen „Batman“ Fassung fürs Kino von Tim Burton (1989) wurde endlich auch klar, wie viel Potential in den Geschichten und Figuren aus den Comics stecken, und dass man damit richtig Geld machen konnte. In einem ähnlichen Stil war dann auch die leider kurzlebige „Roter Blitz“-Serie („The Flash“) gehalten und einige Fortsetzungen folgten, die allerdings eigenhändig das Superhelden-Genre in den Graben fuhren.

Die große Zeit der Superhelden

X-Men Insignia Pin © JD Hancock/Flickr

Vor allem die meisten beliebten Marvel-Figuren galten lange Zeit als unverfilmbar, aufgrund ihrer fantastischen Kräfte, für die die Tricktechnik noch nicht reif war. CGI macht’s möglich und sobald einigermaßen überzeugend die Superkräfte per Computer dargestellt werden konnten, wurden die „X-Men“ endlich verfilmt. Der Erfolg der Marvel-Verfilmungen basiert allerdings vor allem auf einer im Comic-Bereich eher ominösen Figur, „Blade“, der von vielen Kinogängern nicht einmal als Superheld wahrgenommen wurde.

Die „X-Men“ Filme von Bryan Singer überzeugten auch das Publikum, denen bislang Kostüme und Superkräfte zu albern wahren, und bereiteten den Weg für Sam Raimis „Spider-Man“, den „Daredevil“ Film, „Ghostrider“ und letztlich das Marvel Cinematic Universe mit „Iron Man“, „Hulk“, „Thor“ und „Captain America“, deren Einzelfilme im kommenden Avengers Abenteuer zusammengebracht werden.

Derweil bei DC wurde an einer Neubearbeitung des ersten Superhelden-Mythos gearbeitet („Superman Returns“), „Green Lantern“ ins Kino gebracht und in erster Linie durch Christopher Nolan ein Reboot der „Batman“ Reihe erschaffen, das der Figur des dunklen Ritters (zumindest für das Kinopublikum) ungeahnten Tiefgang bescherte und ein für allemal die Fesseln der 60er Jahre Serie abwarf.

Independent Comics als Film

Doch nicht nur die beiden großen Verlagshäuser DC und Marvel haben ihre Superhelden ins Rennen geschickt, auch Independent-Figuren wie „Spawn“ von Todd McFarlane, „Sin City“ und „300“ von Frank Miller (die beide sicherlich zu den zumindest visuell ähnlichsten Comic-Verfilmungen zählen) und Mike Mignolas „Hellboy“ wurden mit großem Erfolg verfilmt, während Jim Lees „WildC.A.T.S.“ und Erik Larsens „Savage Dragon“ kurzlebige Zeichentrickserien spendiert bekamen.

Watchmen © KellBailey/Flickr

Eine der vermutlich wichtigsten Verfilmungen der letzten Jahre dürfte mit Sicherheit Zak Snyders Version von Alan Moores und Dave Gibbons‘ „Watchmen“ sein, der es gelang eine im höchsten Maße komplexe, genau ausgearbeitete und eigentlich unverfilmbare Graphic Novel in das Medium Film zu übertragen und dabei mit großem Respekt vor der Vorlage dennoch eigene Aspekte zu liefern, die den Film in sich schlüssig machen. Dennoch ein Tipp: Falls man an die Ultimate Edition der Watchmen kommt, sollte man sich diese Langfassung ansehen, da hier etliche wichtige Szenen ergänzt wurden, sowie die komplette Nebenhandlung „Tales of the Black Freighter“.

unbekannte Comic-Adaptionen

Dringend zu erwähnen sind auch all jene Verfilmungen, bei denen nicht sofort bekannt ist, dass sie auf Comics basieren. So entfernt sich die Filmvariante von Mark Millars „Wanted“ so stark vom Original, dass sie eigentlich auch ohne die Referenz auskommt und David Cronenberg wußte nicht einmal, dass seine Fassung von „A History of Violence“ auf einer Graphic Novel basierte, als er mit der Arbeit begann. „Road to Perdition“ mit Tom Hanks hat seine Comicwurzeln kaum öffentlich gemacht, ebenso wie das Bruce Willis/John Malkovich Vehikel „Red“.

Die Entscheidung, was eine gelungene Comic-Adaption ausmacht, ist derweil nicht leicht: Da es sich beim Comic um ein in erster Linie visuelles Medium handelt, dessen Figuren eine ungemeine Fanbasis besitzen, lassen sich kaum allgemeingültige Aussagen machen. Ist „Sin City“ besonders gelungen, da Robert Rodriguez nicht nur den Stil, sondern auch die Bilder von Frank Millers Comic genau einfasst? Oder erzählt Ang Lees „Hulk“ im Comic-Modus, durch die Verwendung von Panels und Split Screens? Oder gelingt es Sam Raimi, „Spider-Mans“ Charakter am besten einzufangen? Oder ist es Christopher Nolans größter Verdienst, den philosophisch-sozial-politischen Aspekt im „Dark Knight“ auszuarbeiten?

Die Frage der besten Comic-Verfilmungen muss also noch ein Weilchen auf eine Antwort warten, wenn sie nicht subjektiv von jedem Comicleser und jedem Kinogänger beantwortet werden soll. Bis dahin schreitet die Geschichte der Kino-Adaptionen von Comics weiter voran – die nächsten Filme stehen schon in den Startlöchern.

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