Die 25 besten Comic-Verfilmungen: Teil 2 – Plätze 19 bis 15

Kaum ein Genre ist derzeit so stark im Kino vertreten wie Comic-Verfilmungen: Teile von Trilogien, Remakes und Reboots, sowie Einzelfilme, die aber zu ganzen Serien gehören sind im Prinzip zu so gut wie jeder Zeit auf der Leinwand zu sehen. Die besten 25 Comic-Verfilmungen werden bei Aicomic mit den Plätzen 19 bis 15 fortgeführt.

Spider-Man 2002 © Franco Folini/Flickr

Comic-Verfilmungen sind die aktuellen Blockbuster-Garanten: Waren sie noch vor wenigen Jahren einem speziellen und überschaubaren Publikum vorbehalten, parodistisch angelegt oder entfernten sich so sehr vom Original (vermutlich, um einem möglichst großen Publikum zuzuarbeiten), dass sie damit nicht mehr viel zu tun hatten, sind sie heute darauf bedacht, die Comic-Vorlage wirklich in ein neues Medium zu übertragen. Manchen gelingt dies naturgemäß besser als anderen und doch kann man nicht nur durch die verbesserte CGI-Technik feststellen, dass die Comicverfilmungen von heute sich generell von ihren Vorgängern unterscheiden – die Superhelden der neueren Adaptionen dürfen sich sogar Superschurken stellen, was noch in den späten 80ern quasi undenkbar war, wie man an ansonsten gelungene Serien wie „Louis & Clark“ oder „The Flash“ denkt, ganz zu schweigen von Jahrhundertgurken wie den Siebziger-Jahre-Spider-Man oder der damaligen Captain-America-Verfilmung. In diesem Teil der 25 besten Comic-Verfilmungen soll daher der Blick auf die Plätze 19 bis 15 gerichtet werden.

Meilensteine der Comic-Verfilmungen auf den Plätzen 19 bis 15

19. Superman II: Allein gegen alle (1980, Regie: Richard Lester/2006, Superman II: The Richard Donner Cut, Regie: Richard Donner)

Der zweite Superman Film aus dem Jahr 1980 gilt vielen als der beste, was möglicherweise am Kampf zwischen Supie und General Zod liegt. Der ursprüngliche Regisseur Richard Donner hatte einen Großteil des Films gleichzeitig zum ersten gedreht, verkrachte sich jedoch mit den Produzenten, die daraufhin Beatles-Regisseur Richard Lester beauftragten, etliches neu zu drehen und den Film fertigzustellen. Rund 30 Jahre später erschien auf DVD eine von Donner arrangierte Fassung, die sich in einigen Punkten wesentlich von der alten Version unterscheidet – manche sagen zum besseren, andere finden die Lester-Variante gelungener. Ich sage, wenn man Superman mit Christopher Reeve mag, sollte man sich beide Versionen zulegen und in chronologischer Reihenfolge ansehen.

[youtube 68hRt0Pz7HI]

18. Hulk (2003, Regie: Ang Lee)

Am Hulk scheiden sich so viele Geister, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll: Für Comicfans war Ang Lees Film zu verkopft, für Freunde der alten Fernsehserie mit Bill Bixby bezog er sich zu wenig darauf, Ang Lees Publikum war hingegen von der Action überfordert. Und tatsächlich macht es sich der Regisseur aus Taiwan nicht leicht, wenn er einerseits versucht, der Comicvorlage gerecht zu werden, die sozio-psychologischen Probleme Bruce Banners aber andererseits auch in sein eigenes Filmwerk einbinden möchte. Dafür ist der 2003er Hulk aber eine der wenigen Comic-Verfilmungen, die sich darüber Gedanken macht, wie das gedruckte Medium im Gegensatz zum bewegten Film erzählt. Bei Ang Lee findet man Comicpanels und zeitgleiche Narration mit Splitscreens und Metapanels und Bewegungsausschnitte mit Standbildern – daher muss die erste Kinoversion vom grünen Gamma-Strahl-Monster als eine der besten Comic-Verfilmungen auf der Ebene der Comic-Theorie gelten, auch wenn die meisten Fans wohl mit „Der unglaubliche Hulk“ aus dem Jahr 2008 mit Edward Norton mehr anfangen können.

[youtube 5h_b5hdUUh8]

17. Spider-Man (2002, Regie: Sam Raimi)

Nachdem die X-Men von Bryan Singer bewiesen haben, dass Superhelden im Kostüm nicht albern aussehen müssen und dazu auch eine tiefschürfende Geschichte erzählt werden kann (etwas, das Comiclesern seit jeher bekannt ist, für alle anderen – inklusive Hollywood und dem Feuilleton – jedoch völlig neu ist), machte sich „Tanz der Teufel“-Veteran Sam Raimi auf, den beliebtesten Marvel-Helden auf die Leinwand zu bringen. Peter Parkers Verwandlung vom Nerd zu Spider-Man wurde mitreißend erzählt und Raimis Film gehört auf jeden Fall zu den besten seiner Art – eigentlich müsste „Spider-Man“ auf einem höheren Platz zu finden sein, gäbe es da nicht leichte CGI-Problemchen, massive Abweichungen von der Ursprungsstory und den störenden Faktor, wenn zwei Charaktere, deren Gesichter man nicht sieht, sich über Minuten unterhalten: Mimik und Gestik ist sowohl bei Spidey als auch beim Green Goblin in seiner Power-Rangers-Maske nicht die starke Seite, weswegen man Teil 2 dann auch deutlich weiter vorne sehen wird…

[youtube 0KW8stZ2jSQ]

16. Iron Man (2008, Regie: Jon Favreau)

Die Geschichte vom Großindustriellen Tony Stark, der als der Eiserne gegen das Böse vorgeht, wurde von Regisseur Jon Favreau, der schon in der Daredevil-Kinofassung den Foggy Nelson gab, erstaunlich dicht am Original angelegt: Der Widerspruch zwischen dem Lebemann Stark und Iron Man als Rächer wird genial von Robert Downey Jr. verkörpert, während die Origin-Story in einen aktuellen Kontext gebracht wird. Es wurde in der Realverfilmung auch nicht versäumt, die spätere Kapitalismuskritik in Bezug auf die Militäraufträge von Stark Industries aufzunehmen. „Iron Man“ lebt von einer liebevollen Bearbeitung des Ursprungsmaterials und der hervorragenden Chemie zwischen Downey Jr., Gwyneth Paltrow und Jeff Bridges.

[youtube DIFaeqwES1Y]

15. Blade (1998, Regie: Stephen Norrington)

Blade ist eine eher obskure Comicfigur: Der Daywalker hatte niemals eine eigene Serie, so dass der Comicaspekt der Wesley-Snipes-Verfilmung den Zuschauern entgehen musste, wenn sie nicht gerade in den 70ern die Williams „Gruft von Dracula“ Hefte lasen oder die spätere Reihe der „Nightstalkers“, in der der Vampirjäger Teil einer Gruppe war, die dann auch später in „Blade: Trinity“ auftauchte. Wesley Snipes präsentiert den in den Comics jive-talkenden Vampirjäger (dig?) mit selten mehr als lediglich einem einzigen, mürrischen Gesichtsausdruck, dafür aber mit coolen Moves, die von Stephen Norrington und Kameramann Theo Van De Sande stylish für ein 90er Publikum umgesetzt wurden, während die ausgefeilten Computereffekte für das Vampir-Genre und den Superhelden-Film an sich Meilensteine darstellten. Daher gebührt „Blade“ auch die Ehre quasi im Alleingang bewiesen zu haben, dass auch die Marvel-Helden im Kino ankommen können.

[youtube cNEXUOoL400]

Superhelden im Kino: bekannte und unbekannte Comicfiguren

Bei Comicverfilmungen sind zwei Dinge beinahe logisch: Erstens überwiegt die Anzahl an Superhelden im Film gegenüber den Kinoadaptionen von Graphic Novels mit anders gelagertem Inhalt und zweitens sind es zwar die bekanntesten Helden, die zuerst verfilmt werden, nicht unbedingt aber auf lange Sicht die erfolgreichsten. Da die Kinoindustrie nun einmal ihren Hauptsitz in Hollywood hat, ist es ziemlich klar, dass sich das Massenmedium Film eher dem amerikanischen Massenprodukt Comicheft widmet als beispielsweise dem französischen Bande Dessinée, wodurch sich die Anwesenheit der Superhelden auf der Leinwand erklären könnte. Natürlich sind es aber auch die visuellen Reize, die Batman und Co. im Kino faszinierend machen neben der nahen Verbindung mit populärer amerikanischer Kultur.

Die großen Helden schaffen derweil den Sprung ins neue Medium schneller, nicht aber unbedingt einfacher. Superman und Batman gehören zu den meist- und erfolgreichst-verfilmten Charakteren und doch sind sie offenbar schwerer handzuhaben als etwa The Crow oder eben Blade – Figuren, von denen breite Schichten des Kinopublikums vor der Comic-Verfilmung noch nie etwas gehört haben und oftmals den Zusammenhang zum Medium Comic auch nicht herstellen können.

Im nächsten Abschnitt der 25 besten Comic-Verfilmungen wird sich zeigen, ob diese beiden Trends weitergeführt werden, wenn die Plätze 14 bis 10 an der Reihe sind.

Kommentare sind geschlossen.