Die 25 besten Comic-Verfilmungen: Teil 3 – Plätze 14 bis 10

Ob Superheld oder Graphic Novel, ob Mainstream oder Independent-Produktion – Comic-Verfilmungen stehen derzeit ganz oben auf der Liste der Geschichtslieferanten für Hollywood. In der Liste der besten von ihnen nähern wir uns langsam aber sicher den höher platzierten Einträgen, wenn die Nummern 14 bis 10 behandelt werden.

Spawn © gamerscoreblog/Flickr

Die Bewertung einer Comic-Verfilmung kann immer nur so gut sein, wie die Definition der Aspekte, die gelungene oder weniger gelungene Adaptionen ausmachen. Ist es die genaue Abfolge von Plotpunkten, die sklavische Verfolgung der Story, die authentische Wiedergabe der Figuren? Oder ist es das Erfassen der Ikonografie eines Comics, eines Charakters oder eines Designs? Ist es die Erzählstruktur, die prinzipiell Comic und Film voneinander unterscheidet? Wie genau ist eine genaue Adaption überhaupt? Geht es um die gleichen Eindrücke oder sollten nicht vielmehr neue Impressionen in einem neuen Medium ergänzend wirken? Viele nicht leicht zu beantwortende Fragen und die Positionen 14 bis 10 in der Aicomic-Liste der 25 besten Comic-Verfilmungen bilden entsprechend weitere Beispiele dafür ab, wie unterschiedlich sich die Adaption zum Ausgangsmaterial verhalten kann und umgekehrt- und dass dies nichts schlechtes sein muss.

Independent und Mainstream Comic-Adaptionen

14. Spawn (1997, Regie: Mark A.Z. Dippé)

Todd McFarlanes dunkle Höllenkreatur „Spawn“ schlug Anfang der 90er in die Comic-Szene ein, wie eine grafische Bombe auf Speed – logisch, dass eine Verfilmung nicht allzu lang auf sich warten ließ, sobald die CGI Technik entsprechend weit war. Tatsächlich ist der Spawn-Film ein visueller Augenschmaus, der auch von der Story und von den Charakteren her relativ gut funktioniert. Vor allem für ein Filmproduktion, die auf einem Independent-Comic basiert, konnte sich das Werk von Mark Dippé sehen lassen, auch wenn der wirkliche Erfolg sich erst auf Video/DVD einstellen wollte. Die Kritiken für „Spawn“ waren damals niederschmetternd, aber zumindest stellt die Adaption in einer Zeit, in der George Clooney im genippelten Gummianzug sich duchs schumacherische Neonlicht von Gotham witzelte, einen Schritt in die dunklere und ernsthaftere Richtung dar. Der Film ist auch für seinen innovative Soundtrack, auf dem Rock Bands wie Marylin Manson, Korn oder Slayer mit elektronischen Künstlern à la Atari Teenage Riot und den Dust Brothers arbeiteten, bekannt.

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13. Road to Perdition (2002, Regie: Sam Mendes)

Tom Hanks, Paul Newman, Daniel Craig und Jude Law spielen in Sam Mendes‘ Mafia-Drama visuell beeindruckend und mit wenig Dialogen die der Graphic Novel von Max Allen Collins zugrunde liegenden Themen der Konsequenzen von Gewalt und den unterschiedlichen Ebenen von Vater-Sohn-Beziehungen. Die Filmversion von „Road to Perdition“ wurde von vielen Kinogängern nicht als basierend auf einem Comic erkannt und gehört dennoch (oder vielleicht deswegen) zu den besten Comic-Verfilmungen, denn er beweist die Möglichkeiten einer Adaption in einem anderen Medium durch die Herausstellungen der Kernaussagen. Neben etlichen Preisen, unter anderem den Oscar, ist der Film auch als letzte Arbeit von Paul Newman erwähnenswert.

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12. The Crow – Die Krähe (1994, Regie: Alex Proyas)

„The Crow“ hat in den Neunzigern ein reichliches Hallo ausgelöst – und dass nicht nur durch den tragischen Tod des Hauptdarstellers Brandon Lee während der Dreharbeiten. Eine regelrechte Crow-Manie folgte, da die Geschichte um einen aus dem Jenseits wiedergekehrten Racheengel auf mehreren Ebenen breite Publikumsschichten ansprach: Einerseits gibt es dort die romantische Liebe-über-den-Tod-hinaus-Story, andererseits eben die kompromisslose und Cool in Szene gesetzte Rache an den Übeltätern. Regisseur Alex Proyas spielt mit Gothic-, Fantasy-, Horror- und Superhelden-Versatzstücken und hält sich relativ dicht an die Erzählung von James O’Barr, während dessen 80er-Jahre Optik auf den neuen Stand gebracht wurde, um visuell in den 90ern anzukommen.

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11. Batman Returns (1992, Regie: Tim Burton)

Dunkel, traurig, psychologisch, cool -„Batman Returns“ bringt Tim Burtons eigene Vorstellungen des dunklen Ritters näher an Comicvisionen, als es der Vorgänger aus dem Jahr 1989 konnte. Für manche mag „Batmans Rückkehr“ daher auch eher ein Tim Burton Film als ein Batman Film sein, doch was den zweiten Teil des Regisseurs, der die Avantgarde in den Mainstream Hollywoods brachte, am meisten auszeichnet, ist eben die eigene Handschrift: Selten sah eine Comic-Adaption mehr aus wie die ganz persönliche Vision eines Künstlers, wie man sie auch aus den Comicheften kennt. War Teil 1 noch ein Sommerblockbuster, der mit den Erwartungen an eine der aufwändigsten Comicfilme seit „Superman“ spielte, steigt Teil 2 tiefer in die Problematik der Dualität von Superhelden und Superschurken und ihrer Geheimidentitäten ein und verschließt sich damit auch konsequent der feuilletonistischen und filmkritisch oft gehörten Einschätzungen eines „knall-bunten Comic-Abenteuers“.

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10. X-Men 2 (2003, Regie: Bryan Singer)

Ein weiteres Comicsequel, das besser ist, als der erste Teil: Während Bryan Singer schon in „X-Men“ bewies, dass trotz abgefahrener Kräfte und eigentümlicher Kostüme Superhelden mythologische und metaphorische, aber auch persönliche und psychologische Geschichten bieten können, legt der Regisseur in seinem zweiten Teil noch einen Gang zu. In „X-Men 2“ wird zum einen die Story der Mutanten weitererzählt, ohne dem Trugschluss zu erliegen, alles noch größer, bunter, schneller machen zu müssen, zum anderen wird stattdessen in die Tiefe der Charakterisierung gegangen.Bryan Singer konnte sich in „X2“ von der Notwendigkeit, die Mutantengruppe erklären zu müssen, freischwimmen und somit die Beziehungen der Figuren untereinander und zu ihrer jeweiligen Historie, sowie das Thema Toleranz gegenüber Andersartigen – immer schon Teil der X-Men-Comics, wenngleich auch von Außenstehenden oftmals missachtet – durch ambivalente Perspektiven beleuchten.

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Von einem Medium in ein anderes: Transmorphose vom Comic zum Film

Das Wort „Comic-Verfilmung“ ist aus mehrerlei Hinsicht schwierig, denn einerseits werden nur sehr selten konkrete Comic-Storys in Filme verwandelt, sondern eher Figuren, Konstellationen, Designs und Anmutungen übernommen, um daraus eine eigentlich eigene Geschichte zu machen, wie man sie bei einer Buchadaption kaum vorfindet. Andererseits sollte bereits das Wort selbst nicht unkommentiert bleiben: Eine „Ver“filmung klingt bereits negativ – als ob durch die Transmorphose in ein anderes Medium dem Originalwerk etwas schändliches angetan wird (siehe: Verfremdung, Verleugnung etc.). Bei Büchern ist diese Abscheu vor der medial anders gelagerten Auswertung meistens allerdings größer, zumal Comics lange Zeit entweder als minderwertig oder als unverfilmbar galten, aber auch Comic-Adaptionen leiden am starren Festklammern am Original – Fans, Publikum und Kritiker sind scheinbar selten in der Lage zu erkennen, dass ein neues Medium eigene Herangehensweisen mitbringt, die sich in Präsentation, Erzähltechnik und auch in den Möglichkeiten der Story niederschlagen.

Der Begriff der „Adaption“ erscheint hingegen besser gewählt, während die „Transformation“ oder eben „Transmorphose“ vermutlich den Kern der Sache – nämlich die Umwandlung mehrerer Aspekte eines Mediums in ein anderes Medium – am genauesten trifft.

Beim nächsten Mal gibt es dann die Plätze 9 bis 5 der so transmorphierten Filme, die auf Comics beruhen.

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