Die 25 besten Comic-Verfilmungen: Teil 4 – Plätze 9 bis 5

Die Bewertung von Comic-Verfilmungen hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt: Galten sie früher noch als albern, kindisch, bunt, schrill und als deutlicher Vertreter des Popcorn-Kinos (oder typischer Direct-to-Video-Filme), sind es heute nicht nur Geldgaranten für Hollywood und Comicverlage, sondern auch Sprungbretter für Schauspieler und Regisseure gleichermaßen.

Bat Signal © Si1very/Flickr

Und nicht nur jene, die sich mit Comic-Verfilmungen und Actionknallern die ersten Sporen verdienen wollen, sogar große Kinonamen wie Steven Spielberg schämen sich nicht mehr, mit jenem Medium in Verbindung gebracht zu werden, das mit den gleichen Attributen ausgestattet wird, wie die darauf basierenden Adaptionen. Suchte man früher noch oftmals vergebens nach Perlen innerhalb der B-Movies, die Comics zur Vorlage hatten, irgendwie Comic-artig waren („Condorman“ mit Michael Crawford, 1981) oder zumindest das Comicgeschäft beleuchteten („Der Agentenschreck/Artists and Models“ mit Dean Martin und Jerry Lewis, 1955), so fällt die Auswahl heute schwer, wenn gleichzeitig sogar mehrere Comicfilme im Kino laufen.

Aicomic stellt daher in Teil 4 den Countdown zu den ersten Plätzen der 25 besten Comic-Verfilmungen auf der Liste vor.

Die Plätze 9 bis 5 der besten Comic-Verfilmungen

9. American Splendor (2003, Regie: Shari Springer Berman, Robert Pulcini)

Die Verfilmung der autobiografischen Comics von Harvey Pekar handeln vom Comicschaffen selbst: Pekar traf die Underground-Ikone Robert Crumb und konnte ihn und weitere Kollegen seit den 60ern dazu bringen, seine Geschichten zu zeichnen. In unregelmäßigen Veröffentlichungen und mit wechselnden Künstlern konnte Harvey, ohne selbst Zeichner zu sein, maßgeblich zur Entwicklung von Comics mit erwachsenen, witzig-skurrilen und beinahe literarischen Inhalten werden. Die Adaption, in der der Autor selbst auftritt (als er selbst, wenn auch nicht als die „Harvey Pekar“ Rolle, die von Paul Giamatti übernommen wurde), überzeugt durch die Durchmischung von Film, Comic und realem Leben und der schonungslosen Offenheit des Allerweltsdramas.

[youtube APpxQm7sH5k]

8. Superman (1978, Regie: Richard Donner)

„Superman“ von Richard Donner mag in die Jahre gekommen sein, dennoch stellt die erste große Kinofassung (nach einigen Serials, TV- und Zeichentrickserien) des wohl berühmtesten und größten Superhelden einen wahren Meilenstein der Comic-Verfilmungen dar. Die aktuelle Tricktechnik konnte dem damaligen Publikum eindrucksvoll beweisen, dass ein Mann wirklich fliegen kann, Christopher Reeve verkörperte den aufrechten Streiter für „truth, justice and the American way“ mit unironisierender Ernsthaftigkeit und erlöste Comicfilme vom bis dato damit verbundenen Camp-Aspekt der Batman-Serie, Marlon Brando war als Jor-El, Supermans Vater, eine Idealbesetzung. Mit nur wenigen Aufnahmen konnte Regisseur Richard Donner nicht nur den verlorenen Planeten Krypton greifbar machen, sondern auch Clark Kents Heimat in Smallville, Kansas. Dennoch hat der 78er-Superman auch einige Schwachstellen, die schon damals auffielen: Gene Hackman war als Lex Luthor wohl eher eine Art Comic-Relief-Figur, sein brillanter Plan, halb Kalifornien zu sprengen, um die Grundstückspreise zu steigern, degradierte Supies Erzfeind zum durchgeknallten Immobilienmakler. Reeve war als Reporter Clark Kent zwar nicht unsympathisch, aber dann doch zu trottelig und Margot Kidder war alles mögliche, aber sich nicht die taffe Lois Lane. Und trotzdem hat „Superman“ das Bild von Comicverfilmungen maßgeblich geprägt, nicht zuletzt auch durch die Mitwirkung von Pate-Autor Mario Puzo am Drehbuch und die Musik von John Williams, die schon in den ersten Minuten klar machte, dass hier kein alberner Kinderkram gezeigt wurde, sondern ein Epos.

[youtube BrL5gYjsmRo]

7. Hellboy (2004, Regie: Guillermo Del Toro)

Guillermo Del Toro hat für seine Filmversion von „Hellboy“ eng mit dem Erfinder und Zeichner der Figur, Mike Mignola, zusammengearbeitet und beider Begeisterung für die schräge Mischung aus Grusel, Abenteuer und Pulp ist in so gut wie jeder Szene zu sehen. Mike Mignolas roter Dämonenaffe Hellboy wurde dabei mit hervorragendem Gespür für Physiognomie und schauspielerischer Fähigkeit mit Ron Perlman besetzt, der es verstand, mit trockenen Witz und Sanftmut der gewaltigen Figur filmisches Leben einzuhauchen. Die Designs orientieren sich so stark an Mignolas kantiger, dunkler Vorlage, dass „Hellboy“ als eine der visuell dichtesten Comicadaption gelten muss. Die Geschichte des ersten Films besteht zu einem Großteil aus dem ersten Abenteuer des roten Riesen, „Seed of Destruction“ mit einigen kleineren Storys (zum Beispiel „The Chained Coffin“), die passend dazu umgestaltet wurden. Die Fortsetzung „Hellboy II: Die goldene Armee“ konnte den gleichen Spaß an der Umsetzung der Comics aufweisen und noch konsequentere Designs, wirkte von der Geschichte her allerdings eher wie eine Folge einer Serie. Über Teil 3 wird derzeit nachgedacht, ein Drehtermin oder gar ein Kinorelease ist noch nicht bekannt.

[youtube Ob9J3kCELXE]

6. 300 (2007, Regie: Zack Snyder)

Zack Snyders Filmversion von Frank Millers Bearbeitung der Schlacht bei den Thermopylen ist eine der seltenen Kinomomente, in denen der Film sowohl von seiner Erzählung als auch von den Bildern her dem Comic überlegen ist. Anders als bei einer regulären Transformation von einem Medium in ein anderes, scheint „300“ wohl dichter an der ursprünglichen Idee des ansonsten sehr filmisch arbeitenden Comiczeichners zu sein, als es die 1998 erschienene Graphic Novel vermochte. Mit einer bis dahin noch nie gesehenen, konsequenten Umsetzung des Looks der Comics plus der eigenen Handschrift des Regisseurs und dem Gespür, an welchen Stellen die Story von Leonidas und seinen 300 Spartanern, die die Perser unter Xerxes in die Falle einer engen Schlucht locken und somit den Fortbestand Griechenlands sichern, für den Film kohärenter gemacht werden musste, ist Snyders „300“ ein visuelles Fest, das zu seiner Zeit auch zu politischen Diskussion führte, dessen Vermächtnis aber vor allem in seinem Style liegen dürfte.

[youtube WorI5HPWbpg]

5. The Dark Knight (2008, Regie: Christopher Nolan)

Regisseur Christopher Nolan ist mit seinen Filmen von „Memento“ bis „Inception“ dafür bekannt, tiefenpsychologisch die Identitätskrisen seiner Figuren zu beleuchten – und somit ideal für die Verfilmung der vermutlich gespaltensten Comicfigur überhaupt: Batman, der dunkle Ritter, dessen Bruce Wayne Persönlichkeit eher die Maske zu sein scheint, als der Detektiv im Fledermauskostüm. In seinem zweiten Film zu diesem Thema, „The Dark Knight“ geht Nolan noch einen Schritt weiter und präsentiert das Problem der doppelten Identität ähnlich wie schon Tim Burton in „Batman Returns“ ebenfalls anhand von zwei weiteren Schurkenfiguren, dem Joker (hier Heath Ledger) und Two Face (Aaron Eckhardt), die wiederum eigene Aspekte dem Thema beisteuern. Während Batman (Christian Bale) damit hadert, was seine nächtlichen Aktivitäten bewirken und welchen Einfluss beide Rollen auf seinen Seelenzustand haben, ist es dem Joker schlichtweg egal, wer er ist – er präsentiert sogar in Anlehnung an die vielen widersprüchlichen Origin-Storys der Comics mehrere mögliche Hintergründe für seine Form der Anarchie. Doch die interessanteste Figur ist nicht der als Antithese angelegte Joker, sondern Harvey Dent, der Staatsanwalt, dessen Geschichte deutlich zeigt, welchen Weg Bruce Wayne hätte einschlagen können und wohin er ihn geführt hätte, würde Batman keine Selbstkontrolle üben bis zur Aufgabe des privaten Glücks und sogar der eigenen Persönlichkeit. Heath Ledgers Tot überschattete „The Dark Knight“ und entrückte leider das ausgeklügelte Dreiergespann Batman-Joker-Two Face zugunsten des Clown Prince of Terror der Aufmerksamkeit des Publikums. Nolans Batman gehört zu jenen Verfilmungen, die sich weniger dem Medium Comic widmen, dafür aber die Ikonographie einer seit acht Jahrzehnten Comicfigur genau analysieren.

[youtube yQ5U8suTUw0]

Subjektivität, Ikonographie und Werktreue – Faktoren bei Adaptionsanalysen

Viele Comic-Verfilmungen bedienen sich mehr an der Ikonographie der verwendeten Vorbilder, denn an konkreten Vorlagen, sei es in Graphic Novel, Comic, Bande Dessinée oder Manga. Was besonders in Fankreisen als zu geringe Werktreue gewertet wird, lässt sich aber durchaus auf mehreren Ebenen nachvollziehen: Einerseits ist es das Vorrecht einer Adaption, die Buch- oder Comicvorlage zu analysieren und zu interpretieren, wenn sie in ein neues Medium transformiert wird und andererseits spielt sie auch mit den Erwartungen und Vorstellungen an eben jene Vorlagen. Oder mit anderen Worten: Man muss kein „Batman“ Comic gelesen haben, um die Figur genau zu kennen (oder kennen zu glauben), da Bruce Waynes Alter Ego eine populärkulturelle Ikone ist, von so vielen Künstlern (Autoren, Zeichnern, Regisseuren etc.) bearbeitet, dass eine klare Entscheidung für oder gegen eine Darstellung überhaupt nicht getroffen werden kann.

Ein so erlangtes, filmisches Ergebnis muss einem nicht gefallen, seine Berechtigung hat es aber allemal. Schwierig wird allein die Einschätzung eines Publikums, das eben ausschließlich aufgrund einer allgemeinen Annahme über Comicfiguren wertet, ohne die Vorlagen genauer zu kennen. Eine echte Gradwanderung zwischen der ikonographisch-allgemein-gesellschaftlichen Sicht auf Comics/Comiccharaktere/Comicstorys/das Comicformat und einer informierten, basierend auf eingehender Kenntnis, denn beide Enden des Spektrums bergen die Gefahr, den Blick auf die tatsächliche Verfilmung zu vernebeln und sowohl die eigene als auch eine allgemeingültige Sicht nur über bekanntes/unbekanntes Wissen aufzubauen.

Wie die höchstplatzierten Filme in einer durchaus subjektiven und dennoch beide Aspekte respektierenden Top-Liste der 25 besten Comic-Verfilmungen sich gestalten, wird beim nächsten Mal geklärt, wenn in Teil 5 dann die Plätze 4 bis 1 erörtert werden.

Kommentare sind geschlossen.