Die 25 besten Comic-Verfilmungen: Teil 5 – die ersten vier Plätze

Die Topliste der 25 besten Comic-Verfilmungen bei Aicomic nähert sich ihrem Höhepunkt: Die vier besten live action Adaptionen basierend auf Comics, Graphic Novels, Comiccharakteren oder -ikonen werden in diesem Showdown vorgestellt und einer letzten, genauen Prüfung unterzogen.

Sin City © BangEmSmurf/Flickr

Comic-Verfilmungen in „gut“ und „schlecht“ zu unterteilen, geht meistens am Thema vorbei. Wie jeder andere Film auch, können Comicfilme aus mehreren Perspektiven gelungen oder misslungen sein, dem Ausgangsmaterial gegenüber auf vielen verschiedenen Ebenen treu sein oder das eine oder andere Medium stärker beachten. Die Aicomic-Liste der 25 besten Comic-Verfilmungen versucht, so viele Aspekte wie möglich zu vereinen, zu sehen, wann ein Film als Film funktioniert und wann das Comic am ehesten durchscheint (und in welcher Dimension).

Die besten vier Comic-Verfilmungen stellen dabei, wie auch die vorangegangenen Plätze, natürlich nur eine subjektive, wenn auch fundierte Meinung dar, von der man gerne abweichen kann, darf und soll: Schreibt uns Eure Liste mit Euren Lieblingscomicfilmen und erzählt uns, warum Eure Wahl auf genau diese gefallen ist!

Die bestplatzierten Comic-Verfilmungen

4. X-Men: Erste Entscheidung (2011, Regie: Matthew Vaughn)

Wer hätte gedacht, dass der neueste Beitrag zum X-Men-Franchise den beiden Bryan Singer Filmen in gewisser Weise den Rang ablaufen kann? Matthew Vaughn gelingt allerdings genau das (zugegeben, mit Singer als Produzenten), indem er die schon für die Comics wesentlichen Konflikte der Mutanten und Menschen, der Superhelden und zukünftigen Schurken untereinander und noch viel mehr der Charaktere mit sich selbst vor die Special Effects setzt. Letztere gibt es natürlich auch, und das nicht zu knapp, doch wie schon in „X-Men“ und „X2“ sind sie nicht reiner Selbstzweck, sondern ein elementarer Teil der Figurenentwicklung. Mit brillanter Besetzung (unter anderen James McAvoy, Michael Fassbender, Kevin Bacon, sowie einem Gastauftritt von Hugh Jackman) und konsequentem 60er Jahre Design werden die Anfänge der Mutantengruppe auf erfrischend neue Weise erzählt, die sich dennoch nahtlos mit den Vorgängerfilmen und der Comicvorlage verbindet.

[youtube frcCCHb9LHc]

3. Spider-Man 2 (2004, Regie: Sam Raimi)

War Sam Raimi im ersten „Spider-Man“ Film noch mit der Aufgabe belastet, einerseits die Entstehungsgeschichte des beliebten Netzschwingers filmisch kohährent aufzuarbeiten, konnte er in Teil 2 Comic-Erzählstrukturen sowie sein eigenes Œuvre einbringen, um die Filmgeschichte konsequent weiterzuerzählen und dennoch den Kern der Comicvorlage beizubehalten. Vor allem Alfred Molina sticht als Doc Ock hervor, der in den Comics immer eher ein quallenartiger, durchgeknallter Wissenschaftler war und in der Filmversion nun eine tragische Parallelfigur zu Peter Parker wird. Auch die Aspekte, die Spidey in den Marvel Publikationen so sympathisch machen – seine chronische Geldnot, sein Leben als Versager, solange er nicht im Kostüm steckt und seine Selbstzweifel – lässt der ehemalige „Tanz der Teufel“-Regisseur nicht aus und schafft so einen Comicfilm, der hervorragend in der cinematischen Reihe funktioniert und eben auch seine Herkunft nicht verleugnet – ein verdienter dritter Platz für eine der besten Comic-Verfilmungen eines der beliebtesten Superhelden überhaupt.

[youtube bpgrOgypc9g]

2. Sin City (2005, Regie: Robert Rodriguez, Frank Miller, Quentin Tarantino)

Für viele Zuschauer war „Sin City“ die ultimative Comicverfilmung, da hier die einzelnen Bilder der Bücher eins zu eins wiedergegeben werden, der grafische Stil übernommen wurde und auch die Designelemente (schwarz, weiß, rot/gelb/blau als einzige Farben) von Frank Miller sich hier wiederfinden. Die Schauspieler haben hohe Ähnlichkeit zu ihren Comic-Gegenparts und in der Tat hat Robert Rodriguez (und in einer Szene Quentin Tarantino) sich an eine alte Vorderung von Zeichner, Autor und Co-Regisseur Miller gehalten und die Comics als eine Art Storyboard verwendet, um die größtmögliche Entsprechung im Filmbereich zu finden. Dennoch kann Rodriguez auch seinen eigenen Regie-Stil verwirklichen und das Arrangement der Szenen verbindet die Geschichten aus der Stadt der Sünde noch mehr, als es bereits die Vorlage schafft. „Sin City“ gelang es, ein Independent-Comic für ein sehr spezielles Film-noir-interessiertes Publikum zu einem visuellen Kinofest umzuwandeln, das gleichzeitig Neues schafft, sich an altem orientiert, das Actionpublikum zieht und sich dennoch auch auf Arthouse-Niveau bewegt. Nicht zu vergessen: „Sin City“ hat auch Nichtleser zu den Comics gebracht. Sehr zu empfehlen übrigens die „Recut“-Version, in der es einige weitere Szenen aus den verwendeten Geschichten zu sehen gibt – unter anderem Frank Millers „Wolverine“-Anspielung, für die auch in Robert Rodriguez‘ Film und für ein paar Sekunden Hugh Jackman gewonnen werden konnte.

[youtube YKFLrTYKIXk]

1. Watchmen (2009, Regie: Zack Snyder)

Auf Platz eins der besten Comic-Verfilmungen wird auch die gleichzeitig kontroverseste Adaption präsentiert: Zack Snyders Version von Alan Moores und Dave Gibbons‘ „Watchmen“ – die Graphic Novel, die als unverfilmbares Standardwerk der Comicliteratur galt und in der besonders Autor Moore die narrativen Vorzüge des gedruckten Mediums vorstellte. Und so ist es kaum verwunderlich, dass Puristen die Filmversion abgrundtief hassen und all die Unterschiede aufzählen – ohne einen wichtigen Punkt zu sehen: Alan Moore hat nicht zuletzt die Geschichte der Superhelden in Comicheften satirisch dargestellt, Zack Snyder führt ebenso durch die Geschichte der Superheldenverfilmungen und verwendet dafür ureigens filmische Mittel. Was Moore die Zeitungsausschnitte und Auszüge aus Biografien ist, ist für Snyder die Referenzierung von Comicverfilmungen (ein Beispiel, an dem sich Kritiker gerne aufreiben, ist die Gewaltdarstellung besonders wenn Nite Owl II und Silk Spectre II in einer Gasse überfallen werden und beim Gefängnisausbruch von Rorschach: Sieht man sich einmal „Batman Forever“ an und „V wie Vendetta“, so wird man etlich Bewegungen und Einstellungen wiedererkennen). Auch der Einsatz von Musik ist im Sinne der Graphic Novel, die oft genug Liedtexte zitiert, und alleine das Intro von „Watchmen“ spricht dermaßen viele Ebenen an, dass klar werden muss, dass sich bei der Verfilmung ebenso viele Gedanken gemacht wurde und es sich eben nicht um eine durch Action aufgemotzte und Abklatsch-artige Episodenshow handelt. „Watchmen“ wartet mit einigen Veränderungen zum Original auf, die allerdings in sich (und filmisch) schlüssig sind, wenn nicht in einigen Fällen sogar schlüssiger, da sie sich auf eine gänzlich andere Genretradition beziehen als Moores und Gibbons‘ Vorlage – nämlich die der Comicverfilmungen und nicht der Comics selbst. Auch bei diesem Film gibt es einige Zusätze, die das Erlebnis noch steigern: Die Zeichentrickversion der „Tales of the Black Freighter“, ein 70er-Jahre Special zur „Under the Hood“-Biografie, verschiedene auf YouTube zu findende Nachrichten-Clips zur Geschichte von Dr. Manhattan und dem Keene-Act und zur Produktlinie von Veidt Industries.

[youtube v34hQQz7GvY]

Comicadaptionen: Veränderung durch Medienwechsel

Das Wort „Adaption“ bedeutet ja soviel wie „Anpassung, Veränderung“ und hat nicht zuletzt auch eine Grundbeziehung zur Evolution: Comicliteratur wird auf die Filme angepasst, Figuren in Auslegung und Design erneuert, Storys in eine filmisch passende Richtung geschoben – auf diese Weise bleiben die Charaktere und die Geschichten frisch, einem möglicherweise neuem Publikum zugetragen und können für Auskenner neue Aspekte aufzeigen, wenn man dafür offen ist.

An dieser Stelle liegt in der Bewertung von den „besten Comic-Verfilmungen“ aber auch der sogenannte Knackpunkt. Denn die meisten Negativkritiken behandeln oft und fast ausschließlich die Abänderungen im Film zur Comicvorlage – ohne darüber nachzudenken, dass ein Film (selbst wenn er auf einem Comic basiert) in allererster Linie als FILM funktionieren muss. Einfach nachgestellte Comicszenen sind zum einen im Medium Film nicht sinnvoll, schlimmer aber noch: sie sind völlig überflüssig. Denn Comics erzählen anders als das Kino und können – wie Alan Moore nicht müde wird zu betonen – andere Möglichkeiten der Narration entwerfen. Das Gleiche nochmal zu präsentieren ist ausgesprochen langweilig und, ehrlich gesagt, da kann man sich jederzeit das Comic vornehmen, bevor man den gleichen Kram nochmal im Kino bewegt sieht.

Eine Verfilmung eines Comics muss daher immer zunächst und zwangsläufig durch die Transmedialität die Vorlage verändern – und Veränderung ist gut. Während es natürlich eine interessante Frage ist, inwieweit ein Comicfilm die Basis der Comicvorlage widerspiegelt, sollte bei der Bestimmung einer „guten“ oder „schlechten“ Comicverfilmung eben auch nie die Frage vergessen werden, ob hier überhaupt ein gelungener Film vorliegt.

In den 25 besten Comic-Verfilmungen bei Aicomic sollten beide Fragen unter ihren jeweiligen Gesichtspunkten beantwortet werden und da andersherum auch ein Schuh draus wird, kann man demnächst hier auch den Umkehrschluss lesen: Die schlechtesten Comic-Verfilmungen!

Bis dahin: Viel Spaß beim Lesen und Ins-Kino-gehen!

Kommentare sind geschlossen.