Die 25 schlechtesten Comic-Verfilmungen: Teil 1 – Plätze 25 bis 20

Comic-Verfilmungen locken nicht nur unzählige Zuschauer in die Kinos und haben sich als eigenständiges Genre entwickelt, es gibt auch immer wieder Aussetzer, die mit vielversprechenden Charakteren, Schauspielern, Regisseuren, Autoren und vor allem mit viel Geld trotzdem mit Wucht gegen die Wand fahren.

Wie gut Comic-Verfilmungen sein können und aus welchen Gründen, wurde bei Aicomic ja bereits in einer ausführlichen Serie behandelt – doch die Schattenseite der gelungenen Adaptionen stellen eine Vielzahl von lieblos heruntergekurbelten Filmen dar, bei denen man den Eindruck haben kann, dass die Produzenten zwar die Rechte an den Comic-Charakteren hatten, nur um dann kein Vertrauen in ihren potentiellen Erfolg zu haben. Besonders auffällig wird dieser Punkt immer dann, wenn eine Comicverfilmung sich möglichst viel Mühe gibt, all jene Dinge aus der Adaption zu streichen, die sie ursprünglich interessent hätte machen können und nicht einmal ästhetische Gesichtspunkte der Kinoversion etwas abgewinnen können. Die 25 schlechtesten Adaptionen von Comics (unter der gleichen definitorischen Prämisse, wie die 25 besten Comic-Verfilmungen) werden hier in den folgenden Wochen vorgestellt.

Zwischen gut gemeint und gut gemacht existieren manchmal unüberbrückbare Gegensätze: Wolverine: X-Men Origins © §atsukiame/Flickr

schlechte Comic-Verfilmungen: große Helden in schrecklichen Filmen

25. Superman Returns (2006, Regie: Bryan Singer)

Bryan Singer gab uns die ersten beiden „X-Men“ Filme, die „üblichen Verdächtigen“ und den „Musterschüler“, bis er sich entschloss, den größten Superhelden überhaupt nach fast zwanzigjähriger Kino-Abstinenz zurück zu bringen: Die Idee, Teil 3 und 4 außen vor zu lassen, mag eine gute gewesen sein und auch jene, mit Brandon Routh eine Art Doppelgänger von Christopher Reeve als Stählernen zu besetzen – doch das Publikum teilte nicht Singers Begeisterung für die alten Richard Donner (und Richard Lester) Filme aus den 70ern. Und die konfuse Story, die einerseits irgendwie Teil 2 mit „Superman Returns“ verband, andererseits aber Merkwürdigkeiten wie Supies‘ Sohn mit ins Spiel brachte, ein chargierender Kevin Spacey, der dringend die Fehler von Gene Hackman als Lex Luthor wiederholen wollte, der gleiche Immobilien-Plan aus dem ersten Teil und eine dermaßen dröge Aufbereitung des eigentlich dynamischsten Comichelden, halfen dem Film auch nicht weiter. „Superman Returns“ schlecht zu nennen wäre aber kaum gerechtfertigt – „langweilig“ ist hier das Wort der Stunde und das mag das Schlimmste an einer Superhelden-Adaption sein.

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24. X-Men Origins: Wolverine (2009, Regie: Gavin Hood)

Hugh Jackman hat offensichtlich viel Spaß dabei, den krallenbewehrten Mutanten zu spielen und auch in den „X-Men Origins: Wolverine“ ist er ein echter – und leider der einzige – Lichtblick. Denn der Rest der konventionell gefilmten und nicht kohärent erzählten Vorgeschichte mag weder zu den anderen Filmen der Reihe passen noch zu den Comics und deren Charakteren und selbst als Film sind die episodischen Eskapaden des Einzelgängers mit den Adamantium-Klingen kaum der Rede wert. Ein weiteres großes Problem mit dem Wolverine-Film ist jedoch, dass der Charakter und seine Vergangenheit immer mysteriös waren und sich daraus ein Großteil der Spannung entwickelte – nun seine komplette Story zu erzählen war auch schon in den Comics eine schlechte Idee. Und vom Umgang mit wahllos ausgesuchten Mutanten (Gambit, Deadpool etc.) mag man gar nicht sprechen.

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23. Dick Tracy (1990, Regie: Warren Beatty)

Warren Beatty spielte die Hauptrolle, drehte und produzierte kurz nach dem Batman-Hype Anfang der 90er die Filmfassung von Chester Goulds Polizei-Detectives und führte eine Reihe von Stars ins Feld (Madonna, Al Pacino, Dustin Hoffman, Kathy Bates, Dick Van Dyke, James Caan unter anderem), konnte einen passablen Gewinn an den Kinokassen erzielen, sowie drei Oscars abgreifen. Und dennoch ist „Dick Tracy“ keine wahrlich gelungene Adaption, wenn eine eigentümliche Mischung aus Hardboiled-Krimi und Camp versucht wird, die in knallbunten Farben, schlechtem Make-Up und furchtbaren Dialogen die plattesten Vorurteile von Comics belegt. Zudem hält der ehemalige Hollywood-Star die Rechte an der Comicfigur, was einerseits weitere Verfilmungen erschwert und andererseits neue Comics beinahe unmöglich macht.

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22. Elektra (2005, Regie: Rob Bowman)

Vielen sagte bereits die Verfilmung von „Daredevil“ nicht zu – wie kam es also zu einem Spin-Off/Sequel? Schwer zu sagen, jedoch waren sich Kritiker und Publikum einig, wenn „Elektra“ noch mieser bewertet wurde als der Vorgänger. Ohne nennenswerte Story, ohne klare Verbindung zu den Comics oder dem anderen Film, dafür aber mit einer allzu klassischen Erzählstruktur und wenig berauschenden Actionszenen konnten auch Jennifer Garner und Terrence Stamp nichts gegen das Debakel ausrichten.

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21. Jonah Hex (2010, Regie: Jimmy Hayward)

Für die meisten deutschen Leser ist Jonah Hex ein eher obskurer Charakter, eine Art Zugeständnis an alte Westerncomics in modernem Gewand. Doch der zynische, narbengesichtige Kopfgeldjäger steht in den Comics zumindest für schonungslose Storys und den Teil des DC Universums, der ohne Superkräfte auskommt. Doch in der Filmversion mit Josh Brolin, John Malkovich und Megan Fox gibt es ein übernatürliches Element, bissigen Humor und vor allem eine auf schlappe 81 Minuten gekürzte „Geschichte“, die merkwürdig zusammengesetzt wirkt – als hätte man in letzter Sekunde alles verwertbare Material irgendwie zusammengeklebt. Alles in allem kein Glanzmoment der DC-Verfilmungen.

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20. Judge Dredd (1995, Regie: Danny Cannon)

John Wagner („A History of Violence“) erschuf für das berühmte „2000 AD“ Magazin in England den ultrabrutalen und ausgesprochen beliebten „Judge Dredd“, der in Mega-City One Polizist, Richter und Henker in einer Person ist. Als logische und konsequente Weiterentwicklung von sowohl dem Hardboiled-Genre als auch den Superhelden-Geschichten tat sich in den Comics auch die humoreske und anarchistische Perspektive auf, die sich später in „Tank Girl“ finden sollte. Für den Film jedoch hat Sylvester Stallone sich nicht nur grobe Schnitzer bezüglich der Hintergrundgeschichte geleistet, er wollte vor allem einen ernsthaften und moralischen Actionfilm drehen – und ging damit regelrecht baden aufgrund der unfreiwilligen Komik.

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irregeleitete Comic-Adaptionen

Wie auch bei den „guten“ Comic-Verfilmungen sind natürlich die „schlechten“ ebenso subjektiv gewählt – während eine Einordnung dieser Art prinzipiell nicht einfach ist. Denn neben den Aspekten der Werktreue müssen immer auch jene der filmischen Umsetzung bedacht werden, wodurch ein Comicfilm, der sich kaum an das Original hält (wie etwa „Wanted“, 2008, Regie: Timur Bekmambetov) aber dennoch als Film funktionieren kann und das sogar unter Umständen besser als die Ursprungsgeschichte. Andere Filmversionen haben einen Charme, der nichts mit einer Comicvorlage zu tun hat („Ghost Rider“, 2007, Regie: Mark Steven Johnson, zum Beispiel, der als Grindhouse- oder Exploitation/B-Movie erstaunlich gut hinhaut) und können somit Leser vor den Kopf stoßen, dafür aber ein anderes Publikum gewinnen.

Die hier aufgeführten Plätze 25 bis 20 und die folgenden Filme sollen also vor allem die Kino- und Video-Erscheinungen würdigen, die in besonderer Güte und mit Gusto Fans und Zuschauer jeder Art beleidigt und beinahe physischen Schaden zugefügt haben. Man darf also gespannt sein, welche Perlen des missverstandenen Filmschaffens in den nächten Wochen bei Aicomic behandelt werden!

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