Die 25 schlechtesten Comic-Verfilmungen: Teil 5 – die ersten vier Plätze

Kein Filmstudio der Welt versucht gezielt, eine schlechte Comic-Verfilmung zu erschaffen: Sie müssen in der Regel einem gewissen Standard folgen, nur richtet sich dieser selten an der Comicvorlage aus, sondern eher an Verkaufszahlen von Kinokarten und Merchandising. Die schrecklichsten vier dieser cinematischen Neutronenbomben finden sich hier im großen Abschluss der Reihe der schlechtesten Comic-Verfilmungen bei Aicomic.

Vorsicht: Batman and Robin © gniliep/Flickr

In Hollywood scheint niemand zu ahnen, was schlechte Comic-Verfilmungen anzurichten vermögen, ansonsten würden solche Dinge nicht permanent produziert: Nicht nur die Fans und Leser werden vor den Kopf gestoßen, die Zeichner, Autoren und Erfinder der Figuren übergangen, auch die gesamten Franchises können mit nur einem 2-Stunden-Film komplett vernichtet werden. Doch da Hollywood-Produzenten kein Interesse an gelungen Verfilmungen haben, sondern nur an einer zu melkenden Cash-Cow, ist es kaum verwunderlich, dass die ersten vier Plätze auch zu einem Großteil von jenen Produktionen eingenommen werden, von denen man sich irrsinnige Erfolge erhoffte – und die Sache dabei zum eigenen Leidwesen wohl etwas übertrieb.

Die schrecklichen vier: Die ultimativen schlechten Comic-Verfilmungen

4. Nick Fury: Agent of S.H.I.E.L.D. (1998, Regie: Rod Hardy)

Eigentlich sollte man ja nicht auf diejenigen treten, die bereits am Boden liegen, aber David Hasselhoff als „Nick Fury: Agent of S.H.I.E.L.D.“ schreit irgendwie danach: Als Mischung aus Sci-Fi/Agenten/Superhelden-Comic, das auf seltsame Weise die anderen Comicreihen von Marvel immer einmal wieder miteinander verbindet, sind die Abenteuer von Nick Fury, der selbst als Anführer der „Howling Commandos“ eigentlich als Kriegsheld anfing, von vornherein eine schwierige Nummer, die aber zumindest in neuerer Zeit (man denke an Samuel L. Jacksons Kurzauftritte in den Marvel-Verfilmungen, die zum „Avengers“-Film führen) recht gut gelöst wurde. 1998 aber wurde fürs Fernsehen eine Version angeboten, die in ihrer Art schon in den 80ern peinlich gewesen wäre: Nick wird aus der Rente geholt und HYDRA hat nichts besseres zu tun, als in einem Dr. Evil-ähnlichen Plot eine Billion Dollar zu erpressen. Zugegeben, für eine TV Produktion sind die Effekte nicht schlecht und The Hoff ist erstaunlich gut in Form – aber dennoch muss das alles doch nicht sein. Vor allem keine 1 1/2 Stunden lang: der folgende 3-Minuten-Auszug fasst reicht eigentlich völlig aus.

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3. Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen  (2003, Regie: Stephen Norrington)

Die „League of Extraordinary Gentlemen“ ist eine brillante Idee von Alan Moore, die metatextuell all die Helden alter Abenteuerromane, wie Quatermain, den Unsichtbaren, Kapitän Nemo und Mina Harker, zusammenbringt. Erstaunlich dann, dass die Filmversion so dermaßen versagt: Trotz hervorragendem Steampunk-Design und fähigen Schauspielern wie Sean Connery, ist eine zusammengeschusterte, dem Original gegenüber disrespektvolle Kaugummi-Fassung entstanden, die zwar die eine oder andere Mark an der Kinokasse machte, ansonsten aber ein eher flaues Gefühl hinterläßt. Man sollte sich als Comicleser einen Gefallen tun und im Fall der Liga Film und Comic als getrennte Entitäten sehen – was auch nicht schwerfallen dürfte, da sich Norringtons Leinwandversion so ziemlich gar nicht auf Moores Comicvorlage bezieht…

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2. The Spirit (2008, Regie: Frank Miller)

Frank Miller – eben noch gerühmt für seine Arbeit an „The Dark Knight Returns“, „300“ und „Sin City“ (die beiden letzteren auch in Filmform) – machte sich 2008 daran, Will Eisners einflussreiches Pulp-Comic „The Spirit“ zu verfilmen… und machte daraus quasi „Sin City 2“. Eisner probierte eine Menge in seinen Geschichten aus und prägte Erzählkonstrukte, die noch heute ständig angewandt werden – Miller hingegen legte seinen eigenen, tonnenschweren Stil auf die Charaktere, ummantelte das alles mit einer absurden Geschichte und zeigte vor allem eines sehr deutlich: Frank Miller kann nicht jede Comicfigur zeitlich anpassen, er kann lediglich alle Comicfiguren in sein eigenes Universum ziehen. Das mag ab und an funktionieren, bei Eisners Spirit gerät dies aber zu einem filmischen Verbrechen. Und einen chargierenden Samuel L. Jackson in Nazi-Uniform braucht übrigens auch niemand.

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1. Batman & Robin (1997, Regie: Joel Schumacher)

Auf so gut wie jeder Liste der schlechtesten Comic-Verfilmungen verdient auf Platz 1: Batman und Robin – jeder, der diesen Film irgendwann einmal sah, wird verstehen warum. Doch während sich die meisten Comicleser beim zweiten Schumacher-Batman-Film ein bisschen wie in „A Clockwork Orange“ vorkommen, muss auch einmal eine Lanze für dieses Machwerk gebrochen werden. Tatsächlich ist George Clooney kein schlechter Bruce Wayne (allerdings ein miserabler Batman) und die kleinen „Witze“, wie die Bat-Kreditkarte, waren auch schon bei Adam West vorhanden und stammen direkt aus den Comics jener Zeit. Schlimmer als Jim Carrey und Tommy Lee Jones sind auch Uma Thurman und Arnold Schwarzenegger nicht (wenngleich die tragische Figur des Mr. Freeze deutlich weniger muskulös war und die Kälte-referenzierenden Sprüche reichlich nerven) und Alicia Silverstone als Batgirl war zwar eindeutig fehl am Platz, störte aber die verkorkste Handlung nicht unnötig. Was hingegen bei „Batman & Robin“ wirklich stört, ist das komplette Missachten des Bat-Mythos und der Vorgängerfilme, sowie die Rückführung auf die „Bam, Pow, Crash“-Zeit der alten Fernsehserie und die Ausrichtung auf möglichst hohe Spielzeug-Verkaufszahlen. Oder mit anderen Worten: Dieser Film hat es im Alleingang geschafft, nicht nur das Bat-Franchise zu zerstören, sondern auch die mühsam aufgebaute Ernsthaftigkeit der Comic-Verfilmungen zu untergraben. Glücklicherweise besann man sich ein paar Jahre später wieder eines besseren (siehe „X-Men“, „Spider-Man“, „Batman Begins“)…

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Comic-Verfilmungen im Kino, im TV und auf Video

Die 25 schlechtesten Comic-Verfilmungen sind natürlich nur ein Überblick der grauenhaften Filmwerke, für die Comics herhalten mussten – es gibt noch jede Menge anderes, kruderes und verstörenderes Zeug, das sich auf der großen Leinwand, im Fernsehen oder auf Video tummelt. Logisch ist dabei, dass viel Spreu von Weizen getrennt werden muss, da der mediale Übertrag vom Comic zum Film zwar nicht wirklich neu ist, aber in den letzten Jahren gehörig an Fahrt aufgenommen hat. Um weiter in die bunte Vielfalt der transmedialen Verwendung von Comicstorys zu zeigen, wird sich Aicomic demnächst auch mit den Fernsehadaptionen beschäftigen, die bislang weder in den 25 besten Comic-Verfilmungen noch in dieser Liste Erwähnung gefunden haben – hier gibt es noch einige Perlen und manche Gurke zu bestaunen, die nicht vorenthalten werden sollen.

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