Publishing, Teil 2: Vorbereitungen für den Druck

Bevor die Comicseiten in den Druck gehen können, müssen sie entsprechend vorbereitet werden. Im zweiten Teil der Aicomic Publishing Reihe werden die grundlegenden Einstellungen vorgestellt, die man benötigt, um die Druckvorbereitung für Comics durchführen zu können.

Die klassische Veröffentlichungsform von Comics liegt im Druck: Ob als Heft, als Zeitungsstrip, im Buch, als Album oder als Graphic Novel oder Sammelband, die Seiten müssen in eine Form gebracht werden, mit der Druckereien etwas anfangen können. Die beste Idee ist dabei immer, schon bei der ursprünglichen Bearbeitung der Comicseiten die spätere Druckform zu bedenken, denn so werden Fehler, unangenehme Nebeneffekte, falsche Auflösungen und vor allem böse Überraschungen vorgebeugt.

Printing Press © Gastev/Flickr

Vorbereitung für den Druck: so legt man Comicseiten richtig an

Prinzipiell geht man davon aus, dass eine Comicseite immer größer angelegt wird, als ihr späteres Druckformat sein wird – etwa 60 Prozent bis doppelt so viel an Ausmaßen sollte gut funktionieren. Dies soll bedeuten, dass man zum Beispiel auf A3 arbeitet, wenn das Endergebnis bei A4 oder vergleichbarem liegt. Auf diese Weise verhindert man, dass besonders feine Striche im Druck wegbrechen und nicht mehr erkannt werden oder die Linien sich ungewollt miteinander verbinden. Auch kann man so sicher gehen, dass man nicht zu kleinteilig arbeitet und immer im korrekten Verhältnis bleibt.

Auch die Auflösung ist wichtig beim Druck, denn was am Monitor vielleicht gut aussieht kann in der Ausgabe einer Druckpresse völlig anders wirken. Eine gute DPI Zahl (Dots per Inch) liegt bei 300 für reguläre Comics und 600 bei Manga, da hier sehr häufig feine Schattierungen und die allseits beliebten Rasterfolien zum Einsatz kommen. 72 dpi reichen für eine Veröffentlichung im Internet.

CMYK © jonny2love/Flickr

Druckereien arbeiten mit dem CMYK-Farbmodus. Dies bedeutet, dass alle Farben aus einer prozentualen Mischung aus Cyan (ein blasses, türkis-artiges blau), Magenta (einr rosa-rote Farbe), Gelb und Schwarz zusammengestellt werden. Der Gegensatz hierzu ist der RGB Modus, den man vom Bildschirm her kennt. Es empfiehlt sich, mit einer Farbtabelle bei der Computerkolorierung oder beim Scannen zu arbeiten und nicht einfach auf einen Farbton zu klicken, der einem am Computer als angenehm erscheint, denn die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Ton im Druck später nicht so aussieht, wie auf dem Rechner ist groß.

Grafikbearbeitungsprogramme wie Photoshop arbeiten mit sogenannten Farbräumen, die sich dem bloßen Auge meist nicht erschließen. Im Druck aber kann es geradezu erschreckend werden: Oftmals ist der SWOP Modus voreingestellt, der in der Druckpresse aus einem knalligen Gelb auf einmal ein schmutziges Grün werden lässt. Der Euroscale Farbmodus (coated oder uncoated) eignet sich besser.

Wichtig ist auch, dass man immer den sogenannten Beschnitt bedenkt. Eine Druckerei lässt nicht einzelne Seiten wie ein typischer Tintenstrahldrucker über ihre Presse drucken, sondern vereint viele Seiten auf großen Druckbögen. Diese werden später geschnitten und zusammengeheftet, so dass immer auch winzige aber wesentliche Teile einer fertigen Comicseite fehlen können oder mit weißen Rändern enden. Dies kann vorgebeugt werden, wenn man 3 bis 5 Millimeter an allen Seiten hinzurechnet und nötigenfalls die Bilder hier hineinzieht (bei Splashpanels und -pages).

Die Bereitstellung von PDFs erleichtert die Arbeit (und den Preis) ungemein und wird immer leichter, wenn man die nötigen Einstellungen in einem Layout Programm wie InDesign kennt – Druckereien und Verlage helfen gerne, wenn es um diese Einstellungen geht.

Abweichungen von der Norm

Jede Druckerei hat eigene Vorgaben, die man einholen muss, bevor man den Auftrag erteilt. Arbeitet man für einen Verlag, wird man diese Druckvorgaben von der Redaktion erhalten. Falls eine Graphikagentur zwischengeschaltet wird, sollte man seine Seiten im eigenen Interesse dennoch so genau wie möglich anlegen, um sich nicht später unter Umständen ärgern zu müssen.

Allerdings handelt es sich hierbei eher um Kleinigkeiten, die einzeln verhandelt werden müssen, während die oben genannten Vorgaben relativ allgemeingültig sind. Darüber hinaus gibt es aber auch Abweichungen von der Norm: Die Digitaldruckerei Ka-Blam.com zum Beispiel hat sich auf preisgünstige Comichefte spezialisiert, die quasi als Book-on-Demand angefertigt werden und hat völlig andere Vorgaben. Hier wird dann nicht vom PDF, sondern vom tif, nicht in CMYK, sondern in RGB gedruck und die Seitengröße ist identisch mit der Ausgabegröße – spannenderweise ist das Ergebnis jedes Mal gelungen und nötigenfalls kann man sich auf der Webseite der Druckerei eine Seitenvorlage herunterladen, an der man seine Einstellungen, seinen Beschnitt und die wichtigen Stellen auf dem Papier bereits markiert hat.

Die wichtigsten (regulären) Einstellungen zur Vorbereitung für den Druck hier noch einmal in der Übersicht:

  • Seitengröße: ca. doppelt so groß (Arbeit auf A3 wird zum Druck in A4)
  • 300 dpi für Comics und Alben, 600 dpi für Manga
  • CMYK Farbmodus
  • Farbraum: Euroscale coated oder uncoated
  • Beschnitt: 3 bis 5 Millimeter von den Rändern
  • Ausgabe für den Druck als PDF

Im Abschluss noch kurz erwähnt: Am besten arbeitet man immer mit den größtmöglichen Dateiformaten ohne Komprimierung, also vermutlich als PSD, die man  dann in einem Layout-Programm arrangiert und virtuell verkleinert (dabei gehen keine Bildinformationen verloren) und aus dem man einfach ein PDF ohne Verluste erstellen kann. Bei der Arbeit im Layout-Programm sollte man darauf achten, die Seiten so anzulegen, dass die Bilder nicht unbedingt mittig sind, denn bei einer Rückstich-(Klammer-)-Heftung und auch bei einer Leimbindung sollten die Bildinformationen so sichtbar sein, dass man Heft oder Buch nicht vollständig auseinanderbiegen muss. Oder anders gesagt: Seiten, die sich links befinden, sollten leicht nach links gerückt werden und bei den rechten Seiten verhält es sich genauso.

Etliche der hier angesprochenen Themen werden in den nächsten Teilen der Publishing Reihe bei Aicomic wieder einmal vorkommen und weiter erläutert, doch dieser grobe Überblick sollte schon einmal zeigen, dass man an recht viele Dinge denken muss, wenn man sein eigenes Comic drucken will, die über das bloße Zeichnen und die Story hinausgehen. Die nächsten Folgen werden all dies weiter vertiefen.

Bis dahin: Viel Spaß beim Publizieren!

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