Will Eisner und die Graphic Novel

Wer sich mit modernen Comics beschäftigt, wird über kurz oder lang an einem Namen nicht vorbeikommen: Will Eisner. Als Comiczeichner, Autor, Vordenker, Erfinder von „The Spirit“ und einer der ersten, die sich wissenschaftlich mit Comics auseinander gesetzt haben, gehört der Namensgeber der „Graphic Novel“ zu den ganz Großen in der Geschichte der Comics.

Will Eisner © annulla/Flickr

Will Eisner verdiente sich seit 1936 seine Sporen im damals aufstrebenden Comicgeschäft. 1940 bereits brachte er mit „The Spirit“ eine Figur heraus, die zunächst primär dem damals aktuellem Zeitgeist entsprach – ein Noir-Held mit Lone-Ranger-Maske -, die er seitdem jedoch immer weiter entwickelte und anhand derer er auch etliche seiner Erzählexperimente ausführen konnte. Denn neben seiner Tätigkeit als Zeichner war Will Eisner auch immer daran interessiert, herauszufinden, was in dem Medium Comic alles möglich ist.

Will Eisner: Sequential Art und Graphic Novel

So schuf er auch zwei Begriffe, mit denen Comics dem Ruf, allein für Kinder gemacht zu sein (um nicht zu sagen, sie wären dumm und würden Analphabetismus fördern), entwachsen konnten: Seine Abfolge von Bildern nannte er „Sequential Art“ – sequentielle Kunst – und die Geschichten, die zumeist deutlich länger als Hefte waren, wurden zur Graphic Novel, einem graphisch umgesetzten Roman. Diese Begriffe standen auch im Mittelpunkt seiner ausführlichen, beinahe schon wissenschaftlichen Arbeit, in der er nicht nur erklärte, wie Comics erzählen und welche Tricks Zeichner anwenden können, sondern auch dafür sorgte, dass Comicgeschichten als ernstzunehmendes Medium wahrgenommen wurden.

Seine beiden Bücher „Comics & Sequential Art“ und „Graphic Storytelling“ werden auch im ab demnächst startenden Zeichenkurs auf Aicomic.com einen erheblichen Platz einnehmen, denn was andere Comiczeichner und Autoren größtenteils intuitiv ausführten, wurde hier von Eisner erstmalig beim Namen genannt. Es sollte sehr lange dauern, bis mit Scott McClouds „Understanding Comics“ (auf Deutsch „Comics richtig lesen“) ein weiteres Standardwerk der Comicsekundärliteratur erschien.

Comics und Sekundärliteratur

The Spirit © Strandell/Flickr

Will Eisner starb im Jahr 2005, doch sein Einfluss auf die Geschichte der Comics kann nicht genug betont werden. Neben seinem Superhelden „The Spirit“, der vor einiger Zeit von Frank Miller verfilmt wurde, hat er immer wieder die Möglichkeiten des Erzählens ausgelotet, beispielsweise in „Ein Vertrag mit Gott und andere Geschichten“, und neue Generationen von Comiczeichnern inspiriert. Sein Begriff der „Graphic Novel“ hat besonders in Deutschland derzeit Hochkonjunktur, auch wenn er hier – wie so oft – auf einer inhaltlichen, will sagen „vergeistigten“, Ebene mehr Anklang zu finden scheint, als auf der ursprünglich intendierten erzählerischen und strukturellen.

Von der amerikanischen Comicindustrie wird jedes Jahr der „Eisner Award“ verliehen als eine der wichtigsten und begehrtesten Auszeichnungen der Comicwelt.

Weiterführende Links

http://www.willeisner.com/

http://www.mycityscreams.com/

Kommentare sind geschlossen.