Zeichenkurs, Lektion 13: Comics kolorieren 1 – Farbgebung und Techniken

Comics kolorieren kann man auf viele verschiedene Arten und Weisen. Je nach der Technik, die der Zeichnerin oder dem Zeichner am angenehmsten ist oder welche für das jeweilige Projekt am angebrachtesten ist, kann man mit der Farbgebung die Natürlichkeit (oder im Gegenteil die Künstlichkeit) und die Stimmung einer Comicseite lenken.

Comickoloration am Computer © Daniel Gramsch/Aicomic

Wie auch beim Zeichnen selbst und beim Inken, ist auch Comics kolorieren eine höchst subjektive Angelegenheit. Ein richtig oder falsch gibt es bei der Anwendung einer Technik nicht wirklich, wohl aber bei Fragen, die sich um Lichteinfall und Schattenverteilung drehen. In der 13. Lektion des Online Zeichenkurses werden wir kurz ein paar Techniken zum Comics kolorieren betrachten und versuchen, allgemeine Aussagen zur Farbgebung und -wirkung zu treffen.

Techniken beim Comics kolorieren

Schwarz/weiß Comics haben einen klassischen Charme und sie sind auch im Druck oftmals sehr viel günstiger als kolorierte. In einigen Fällen wird die nicht vorhandene Koloration einem bestimmten Zweck zugeführt (wie bei Frank Millers „Sin City“ etwa), in anderen hat es ausschließlich etwas mit den verfügbaren Geldmitteln zu tun. Bei japanischen Manga gehört es derweil zum guten Ton, die Comicseiten s/w zu belassen und mit anderen Mitteln (Schraffuren und Rasterfolie) für tonale Unterschiede zu sorgen. Doch auch hier finden sich etliche Farbseiten, so dass man sich prinzipiell mit der Farbgebung in Comics beschäftigen sollte.

Zur Koloration kann man eigentlich alles verwenden, was in irgendeiner Form Farbe aufs Papier bringt: Buntstift, Copic, Aquarell, Tempera, einen Airbrush und natürlich den Computer, wobei es sicherlich auch etliche weitere Möglichkeiten gibt. Hier muss man einfach ein bisschen ausprobieren, welches Arbeitsmaterial den gewünschten Effekt bringt und welches sich am besten verwenden lässt.

Buntstift: Mit dem Buntstift zu kolorieren gehört vermutlich den Ansätzen, mit denen die meisten von uns als erstes experimentieren. Man erreicht damit eine sehr strukturierte Farbe, die auch die Dynamik eines Bildes unterstützen kann. Ein Nachteil vom Buntstift liegt allerdings darin, dass man sehr, sehr häufig die gleiche Stelle einfärben muss, um ein gleichmäßigen Farbauftrag hinzubekommen. Auch Verwischtechniken muss man anwenden, damit nicht das weiße Papier an ungewollten Stellen durchscheint. Eine Technik, die zwar tolle Effekte ermöglicht, aber enorm zeitaufwändig und auch anstrengend sein kann.

Super Cat Fight!! © eskimojustice/Flickr

Copic: Die Copic Filzstifte gehören zum Standard von Mangaka. Mit nur wenigen Strichen lassen sich glatte Oberflächen darstellen, nochmals darüber gegangen und man hat eine einfache und effektvolle Abschattierung. Lichteinfall wird vor allem durch frei gelassene Stellen markiert. Bei einer schier unüberschaubaren Menge an erhältlichen Farben bleiben selten Wünsche offen. Der Nachteil von Copics: Sie sind unverhältnismäßig teuer und schnell leer. Es gibt allerdings alternative Stifte, mit denen ähnliche Effekte erzielt werden können. Auch muss man bei Copics immer ein bisschen aufpassen, dass die Farbwahl nicht zu bunt ausfällt.

Aquarell: Mit Aquarellfarbe Comics kolorieren ist ein weiterer Klassiker. Hiermit kann man subtile Farbübergänge erstellen und auch die typischen Aquarelleffekte gezielt einsetzen. Man sollte ein bisschen aufpassen, denn durch den hohen Wasseranteil kann man leicht seine Inks und auch die Pencils, falls sie nicht vollständig wegradiert wurden, verschmieren und dann einen ungewollt dreckigen Eindruck hinterlassen.

Tempera: Für Arbeiten mit Tempera gilt im Prinzip das Gleiche, wie für Aquarellbilder. Nur gesellt sich hier noch der Umstand hinzu, dass man durch die dickere Farbschicht vermutlich die Inks noch einmal nachziehen muss, was dann wieder eine Zeitverzögerung darstellt, die nicht im Sinne eines gemäß Deadline arbeitenden Comiczeichners sein dürfte…

Angry Superman © Joelk75/Flickr

Airbrush: Vor einigen Jahren waren Airbrush Comics sehr beliebt und die Möglichkeiten sind auch in der Tat faszinierend. Aber sie sind ebenfalls mit einem riesigen Aufwand verbunden: Nicht nur, dass man für jeden gezeichneten Körper mindestens eine Schablone erstellen muss, nach jedem Durchgang mit einer Farbe muss man die Spritzpistole gründlich reinigen. Ähnliche Effekte kann man aber mittlerweile auch per Computer hinbekommen.

Computer: Die Computerkoloration hat sich zum Standard entwickelt. Mit Programmen wie Photoshop, der kostenlosen Alternative GIMP oder ArtRage lassen sich so gut wie alle Effekte aller anderen Techniken am PC oder Mac nachempfinden. Das erfordert natürlich ein bisschen Übung im Umgang mit der Software und erspart auch nicht das künstlerische Händchen oder die Beschäftigung mit der Farbenlehre. Da die Koloration am Computer ein wirklich weites Feld ist, werden wir uns mit den einzelnen Aspekten in den nächsten Lektionen beschäftigen.

Farbgebung und Farbenlehre

Für welche Technik und für welches Material man sich auch entscheidet, man muss ein paar Grundbegriffe bei der Farbgebung kennen und sie auch anzuwenden wissen.

Farblehre: Die Farblehre ist komplex und weitläufig – sich hierzu ein gutes Buch zu besorgen, kann nicht verkehrt sein. Für den Anfang können wir zwischen warmen und kalten Farben unterscheiden und sollten auch wissen, wie Komplementärfarben eingesetzt werden können.

warme Farben: Braun, Rot, verschiedene Gelbtöne, Orange – all dies sind warme Farben,  die wir als deutlich näher und kräftiger wahrnehmen. Somit machen sie sich gut im Vordergrund und um den Blick des Lesers auf bestimmte Aspekte der Seite zu lenken.

kalte Farben: Grün, Blau, Grau – als kalte Farben wirken sie auf uns entfernter und diffuser, sie können sehr gut im Hintergrund eingesetzt werden, um eine Distanz zu den warmen Farben zu zeigen.

Color Wheel © unleashingmephotography/Flickr

Komplementärfarben: In der Farbenlehre geht man von einem Farbkreis aus, in dem sich die Farben gegenüber stehen. So findet man Blau zum Beispiel als Komplementärfarbe zu Orange. Diese Kombinationen wirken auf manche Betrachter beißend und man sollte sehr genau wissen, wann man sie einsetzt – sie können einen kraftvollen Kontrast darstellen oder einfach nur schlecht wirken.

Natürliche Farbgebung: Sehen wir uns in unserer Welt um, so stellen wir fest, dass alles ziemlich bunt ist und sich kein Bisschen nach der Farblehre richtet – Dinge haben nun mal ihre eigenen Farben und stehen in der Gegend rum, ohne sich aufeinander zu beziehen. Im Comic muss man diesen Aspekt aber mit der richtigen Farbgebung so kombinieren, dass die fertige Seite nicht knallbunt und konfus wirkt.

Indirektes Licht: Ebenso sehen wir, dass jeder Körper in der realen Welt mehrere Farben hat, die nicht seine eigenen sind. Durch unterschiedliche Lichtquellen und Reflektionen kann Haut grünlich erscheinen oder ein blauer Pullover gelbe Highlights haben. Möchte man seiner Comickoloration einen Touch Realismus verpassen, muss man sich ein bisschen trauen, von den angestammten Farben abzuweichen, wo es passt.

Lichteinfluss: Mehr noch als beim Penciln oder beim Inken muss man beim Kolorieren auf den richtigen Lichteinfluss achten. Man stellt fest, von wo welches Licht kommt und muss sich dann beim Abschattieren daran halten, damit das Auge des Lesers nicht verwirrt wird. Es können allerdings mehrere Lichtquellen vorhanden sein und Körper können gegenseitige Schatten werfen – ein bisschen Naturbeobachtungen können nicht schaden, um den Lichteinfluss zu verstehen und entsprechend umzusetzen.

Monochrome Farbgebung: Von „monochrom“ sprechen wir, wenn wir ein Bild oder eine ganze Seite meinen, auf der sich die verwendeten Farben so sehr ähneln, dass sie beinahe nur noch in hell und dunkel unterschieden werden können. Sagen wir, eine Szene spielt in der Wüste. Hier herrschen die Farben Gelb, Braun und Ocker für den Boden und Blau und Weiß für den Himmel vor. Mischen wir diese und verwenden auch für Figuren im Vordergrund ähnliche Farben, kann ein Farbeindruck entstehen, bei dem sich die einzelnen Körper zwar voneinander abheben, aber sich farblich doch aufeinander stark beziehen.

Farbpalette und Farbkonzept

Grundkoloration am Computer © Daniel Gramsch/Aicomic

Ein weiterer Aspekt bei der Kolorierung von Comics ist die eigene Farbpalette. Oftmals kristallisiert sie sich von alleine heraus (einfach durch die Farben, die man häufig verwendet und die man unbewusst immer wieder auswählt), man kann aber auch schon vor Beginn der eigentlichen Arbeit ein Farbkonzept erarbeiten und sich die Farbpalette entsprechend zusammenstellen. Zum Beispiel brauchen wir viele verschiedene dunkle und helle Blau- und Grüntöne und eine menge Schwarz, wenn wir unseren Comic ausschließlich in der Nacht spielen lassen. Ob nun alle blauen Copics oder etliche Variationen der gleichen Farbe im Aquarellkasten oder eben ähnlich gelegene Farben in der Bandbreite der Computerprogramme – sich eine Farbpalette vorzubereiten erleichtert die Arbeit ungemein.

Nach dieser etwas theoretischen Lektion werden wir uns beim nächsten Mal im Zeichenkurs mit verschiedenen Möglichkeiten der Computerkoloration beschäftigen. Auch hier gibt es mehrere Ansätze und jeder muss selbst herausfinden, welche einem liegen. Exemplarisch werden in der Lektion 14 aber dennoch einige Varianten aufgezeigt werden, wie man seine Comics am Computer kolorieren kann.

Bis dahin: Viel Spaß beim Zeichnen!

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