Zeichenkurs, Lektion 14: Comics kolorieren 2 – Computerkolorierung 1: Vorbereitung

Die Computerkolorierung ist die vermutlich schnellste und effektivste Weise, um Comics farbig zu gestalten. Aber wie bei anderen Techniken auch, wird den Künstlern nichts in den Schoß gelegt – auch beim Kolorieren am PC oder Mac muss man einiges lernen. Nicht zuletzt den Umgang mit der Software.

Computerkoloration © Daniel Gramsch/Aicomic

Seit dem Aufkommen der Computerkolorierung gehören fehlerhafter Farbauftrag, schlechte Übergänge und Farbverschiebungen der Vergangenheit an. Während diese Imperfektionen zwar einen gewissen Charme hatten, konnte durch die Arbeit am PC oder Mac die Farbe der Comics auf eine neue Ebene gebracht werden. Neben frühen Koryphäen auf dem Gebiet, wie Steve Oliff („Akira“, „Spawn“), konnte man zwar zunächst auch einige quietschbunte Aussetzer beobachten, doch mit der Zeit erkannte man, wie subtil man am Computer arbeiten kann.

Damit es bei angehenden ZeichnerInnen nicht zu ebensolchen Aussetzern kommt, werden sich die nächsten Lektionen beim Aicomic – Zeichenkurs sich ausschließlich mit der Computerkolorierung beschäftigen.

Computerkolorierung: Grundvoraussetzungen und Software

Photoshop Icon © youngdesign/Flickr

Früher benötigte man einen leistungsstarken Rechner mit hervorragender Grafikkarte und immensem Speicher – heute kann jeder Laptop die erforderlichen Aufgaben beim Kolorieren übernehmen (ein guter Computer eignet sich aber immer noch besser). Die meisten Profis arbeiten mit Adobe Photoshop, eine Software, die zwar absoluter Marktführer ist, aber gleichzeitig auch sehr teuer.

Adobe Photoshop 2.0 © carianoff/Flickr

Wer nicht die volle Bandbreite aller Filter, Regler und Einstellungen benötigt, kann aber auch eine preiswerte, alte Version nehmen (ein Tipp: Photoshop 5.5 bietet alle Möglichkeiten klassischer Computerkoloration). Alternativ arbeitet man auch gerne mit GIMP, einer kostenlosen und weitgehend ähnlichen Variante, bei der es auch verschiedene Ausführungen gibt (GIMPShop zum Beispiel).

Wer Comics so produzieren möchte, dass sie später auch in den Druck gehen können (was immer eine gute Idee ist, auch bei Webcomics – man weiß ja nie), sollte im CMYK Farbmodus arbeiten. Die Dateien sollten in mindestens 300 dpi angelegt werden (600 dpi bei feinen Strichzeichnungen und Arbeiten mit Rasterfolie, wie im Manga). Auch sollte der Farbraum nicht im voreingestellten SWOP bleiben – Euroscale coated oder uncoated machen sich gut (SWOP hat die unangenehme Eigenschaft, die Farbtöne im Druck zu verziehen, so dass aus Gelb Grün wird).

Natürlich braucht man neben dem Rechner und der Software auch einen Scanner, um seine Comicseiten überhaupt auf den Computer zu bringen. Da man im allgemeinen auf A3 (oder vergleichbaren Formaten) arbeitet, muss man sich überlegen, wie man am besten scannt (A3 Scanner sind zu groß und zu teuer). Bei geinkten Seiten hat sich eine Strichzeichnung-Einstellung bewährt, bei der man Oben und Unten der Seite einzeln scannt. Bleistiftzeichnungen sollte man in Graustufen scannen und muss unter Umständen auch noch den Mittelteil einlesen, da es oftmals zu Schatten und Verwischungen an den aufliegenden Rändern kommt.

Farbräume und Farbmodi

Haben wir nun unsere Comicseite im Computer, müssen wir sie zunächst in den gewünschten Farbraum bringen und möglicherweise Flecken und Dreck entfernen. Es ist auch immer eine gute Idee, das Original als Ebene zu belassen, es zu verdoppeln und auf dieser zweiten Ebene zu arbeiten: Falls man sich vertut, kann man immer noch auf das Original zurückgreifen.

Meistens muss die Arbeit schnell gehen – es empfiehlt sich daher, eine Farbpalette anzulegen, die man immer wieder nutzen kann. Dies hat auch den Vorteil, dass man sich eines wiedererkennbaren Stils schon im Farbschema bedient. Damit die Farben auch Druckecht sind, sollte man sich eine Farbtabelle besorgen, auf der die CMYK Farben einwandfrei und ihren Prozentzahlen abgebildet sind.

Design is © Nils Geylen/Flickr

CMYK: Die Abkürzung (manche sagen „Cee-Emm-Why-Kay“, andere „Ssmück“) steht für Cyan, Magenta, Yellow und Black. Es handelt sich hierbei um einen Vierfarbdruck, bei dem alle Farben aus prozentualen Mischungen dieser vier zusammengestellt werden. Da Schwarz die Farben meistens sehr dreckig aussehen lässt, sollte man möglichst nicht in der Mischung damit arbeiten (schwarze Stellen werden aber natürlich schon schwarz).

Ein Beispiel: Hautfarbe könnte mit 30-40-50-0 dargestellt werden, also 30 Prozent Cyan, 40 Prozent Magenta und 50 Prozent Gelb. Für blassere Hauttypen nimmt man entsprechend weniger Gelb und Magenta, stärker pigmentierte Hauttypen werden genau dort höher eingestellt. Man kann einfach mal ein bisschen damit rumspielen.

Für den CMYK Modus stehen in Photoshop nicht immer alle Filter zur Verfügung – möchte man einen bestimmten anwenden, so sollte man lieber nicht, den Modus für die gesamte Seite hin- und herwechseln, sondern einen ausgewählten Bereich in einer neuen Datei öffnen, den Filter anwenden und reimportieren.

Es gibt übrigens auch Druckereien, wie der amerikanische Anbieter Ka-Blam, denen es gelingt im Digitaldruck hervorragende Ergebnisse auch im bekannten RGB Farbmodus zu erstellen. Besonders für Kleinauflagen ist dieses Verfahren gut geeignet, wenn die Methode für Grafiker auch eigenartig erscheint – der Erfolg gibt ihr dennoch Recht.

Einstellungen und Arbeitsabläufe beim Kolorieren am Computer

Wenn nun alle Einstellungen vorgenommen wurden, Photoshop (oder GIMP oder PhotoPaint oder welche Software auch immer) eingerichtet ist und die Comicseite zur Bearbeitung vorliegt, kann man mit dem eigentlichen Kolorieren beginnen. Hierbei gibt es – wie immer – ganz verschiedene Herangehensweisen: Manche ziehen harte Kanten von Licht und Schatten vor, andere bevorzugen Airbrush-artige Effekte und weitere benutzen gerne das Pinsel-Tool, um einen Copic-ähnlichen Eindruck zu erzeugen. Das alles ist Geschmackssache oder wird durch Auftraggeber oder Story definiert. Für die Technik bei der Computerkolorierung selbst ist die Wahl des Werkzeugs und der Umgang mit demselben erst einmal nicht so wesentlich: Ersteres bedarf eines Einblickes in Arbeitsabläufe und ihren Sinn und Zweck, zweiteres benötigt Übung, Talent und Geschick.

Deshalb werden wir uns nach der Vorbereitung in dieser Lektion beim nächsten Mal mit der Arbeit selbst auseinander setzen und etwas über verschiedene Kolorationstechniken, die Theorie bei der Grundkoloration und über das Abschattieren und Highlights-Setzen erfahren.

Bis dahin: Viel Spaß beim Zeichnen (und beim Einrichten der Software)!

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