Zeichenkurs, Lektion 23: Titel, Logos und Überschriften für Comics

Eine Comicgeschichte braucht auch eine wiedererkennbare Titelschrift: Die meisten Klassiker, von Batman über Asterix bis zu Dragonball können schon allein durch ihre ikonografischen Überschriften von anderen unterschieden werden, wozu sich meistens noch ein einprägsames Logo gesellt – Grund genug, sich selbst auch daran zu versuchen.

Überschrift © Daniel Gramsch/Aicomic

Ein Schriftzug, der in einem einfachen, überall zu sehenden Font gehalten ist, macht sich in der Regel ausgesprochen ungünstig aus: Er wirkt langweilig oder zu subtil, wodurch man sich nicht mit seinem Produkt von den anderen im Bücherregal absetzt. Die Wahl eines eigenen Titels hingegen macht das Comic individueller, vor allem, wenn die Überschrift schon beim ersten Blick dem Leser sagt, welches Genre in der Geschichte bedient wird oder welche Stimmung erzeugt werden soll. Der Font für Titel im Comic ist also, ebenso wie Sprechblasen oder Soundwörter, Teil des Artworks und muss entsprechend wohl überlegt sein. Unsere heutige Lektion wird daher ein paar Beispiele für mögliche (oder auch typische) Titelschriften für verschiedene Storyansätze liefern.

Titelschriften für Comicgenres

Samurai © Daniel Gramsch/Aicomic

Am allerbesten ist es natürlich, wenn man einen Schriftzug komplett alleine gestaltet, also nicht auf vorhandene Fonts zurückgreift. Denn dadurch wird der geschaffene Titel sehr persönlich, sehr grafisch und man beugt der möglichen Hab-ich-schon-gesehen-Reaktion von Lesern vor. Man kann aber auch typische Fonts ganz gezielt wählen, um auf eine Tradition innerhalb eines Genres hinzuweisen, als Hommage oder als Parodie. Des Weiteren kann man mit nur wenig Mühe auch Schriften so verändern, dass die Überschrift wieder sehr eigenständig ist.

Fantasy © Daniel Gramsch/Aicomic

Für die folgenden Beispiele habe ich größtenteils wieder einmal Schriften von Nate Piekos verwendet und hauptsächlich mit einfachen Photoshop-Effekten gespielt, Umrandungen und Schatten eingefügt und Farben ausgesucht, die dem Thema angemessen erscheinen. Man kann aber deutlich weiter von Vorlagen und Hilfestellungen abweichen, wobei man bei aller grafischer Finesse die Lesbarkeit weiterhin im Auge behalten sollte.

Beispiele für Überschriften und Titelzüge

Bis hierhin haben wir mit wenigen Ausnahmen unser Ai Girl vor allem im Science-Fiction-Setting gesehen, um mögliche Titelzüge für fiktive Comics zu zeigen, stellen wir uns einfach einmal vor, die Figur könnte in allen möglichen Genres auftauchen. Beispielsweise in einem Thriller:

Thriller © Daniel Gramsch/Aicomic

Die hier gewählte Schrift sieht ein bisschen nach einer Schreibmaschine aus. Die Idee dahinter war, an „Akte X“ oder Stephen King Bücher zu erinnern. Die Effekte halten sich hier noch in Grenzen – lediglich durch die weiße Schrift auf schwarzem Grund und die weißen Sprenkler wird eine gewisse Stimmung erzeugt. Auch ein Punkt hinter „Ai Girl“ wäre denkbar gewesen, um auf diese literarische Tradition hinzuweisen.

Abenteuer © Daniel Gramsch/Aicomic

Das nächste Beispiel ist ganz klar eine Hommage an das Abenteuergenre, oder genauer an „Indiana Jones“. Die Schrift selbst ist nur minimal verändert worden, während die Buchstaben aber von der Grundlinie verschoben wurden und in der Schriftgröße variieren.

Grusel © Daniel Gramsch/Aicomic

Noch eine Schrift mit Wiedererkennungswert: Dies hier bezieht sich auf die Horrorcomics von EC aus den 50ern („Tales from the Crypt“ und dergleichen). Die auffällige Veränderung liegt hier in den hell und dunkel gesprenkelten Punkten, die verwittertes Material oder sogar Blut darstellen könnten.

Horror © Daniel Gramsch/Aicomic

Bleiben wir noch einen Moment beim Horror. Gerade in diesem Genre hat sich einiges getan, so dass man den alten Stil eigentlich kaum noch ernsthaft durchziehen kann. Er eignet sich heute eher zur Parodie, wohingegen aktuelle Gruselgeschichten zum Beispiel so aussehen könnten:

Pulp © Daniel Gramsch/Aicomic

Derzeit sind ja auch Graphic Novels aller Art sehr angesagt, so dass man natürlich in jedem x-beliebigen Genre eine Geschichte mit Ai Girl erzählen könnte. Hier zum Beispiel eine Schriftkombination, die an Detektivromane aus der Pulp Fiction-Ära erinnert.

Goldene 20er © Daniel Gramsch/Aicomic

Um beim Thema vage zu bleiben: Eine Geschichte aus dem Chicago zur Prohibitionszeit könnte einen solchen Schriftzug haben. Das muss dann nicht einmal ein Krimi oder eine Mafia-Story sein, man könnte ja auch eine Art Revue-Drama daraus basteln.

Agent © Daniel Gramsch/Aicomic

Wenn Ai Girl unter die Geheimagenten ginge und 007 Konkurrenz machte, könnte die diese Story begleitende Überschrift vielleicht so aussehen, wie links abgebildet.

Western © Daniel Gramsch/Aicomic

Oder wie wäre es mit einem lange Zeit höchst angesagten, mittlerweile eher in Vergessenheit geratenen Genre, dem Western? In Lektion 2 hatten wir ja schon einmal Ai Girl beim Duell erlebt…

Logos für Comicfiguren

Ai Girl Logo © Daniel Gramsch/Aicomic

Ein weiterer Aspekt, der sich bei vielen bekannten Comicfiguren findet, ist das Logo, das unmittelbar mit Heldin oder Held verbunden ist: Batmans Fledermaus, Spider-Mans Spinne, Captain Americas Stern, der Blitz vom Flash, die ein Schwert haltende Faust bei Hellboy und natürlich das ikonografischste Symbol überhaupt: Das S auf Supermans Brust.

Ai Girl © Daniel Gramsch/Aicomic

Ein Logo ist zwar nicht zwingend notwendig (anders als eine gelungene Überschrift), aber es kann sich als durchaus praktisch erweisen, um eben wieder auf einen Blick zu zeigen, um welche Figur es sich im Comic handelt. Es kann auch als recht vielseitiges Designelement verwendet werden und auf dem Cocer oder Backcover erscheinen, auf Jacken, Gürtelschnallen und anderen Kleidungsstücken, als Markierung auf Fahrzeugen, Ankündigungen oder als Gestaltungsmerkmal für andere Seiten im Comic (im Impressum oder auf der Leserbriefseite etc.).

Für Ai Girl als Space-Heldin habe ich einfach mal die verschiedenen Applikationen auf ihrer Uniform für das nebenstehende Logo umgewandelt. Zum Vergleich noch einmal eine der ersten Zeichnungen für den Aicomic-Zeichenkurs.

Mit der Erstellung von Logos, Titeln und Überschriften in Comics endet nun auch der Abschnitt über das Lettering. In der nächsten Lektion werden wir dann alle bisher behandelten Aspekte beim Zeichnen und Kreieren von Comics zusammenfassen und die Entstehung einer Comicseite von Anfang bis Ende nachvollziehen.

Bis dahin: Viel Spaß beim Zeichnen!

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