Zeichenkurs, Exkurs 1: Wie baue ich einen Lichttisch?

Ein Lichttisch ist für Comiczeichner eine der praktischsten Hilfsmittel: Mit ihm kann man komplexe Formen übertragen, seine Skizzen ausarbeiten, ohne sie zu verlieren und Tuschezeichnungen anfertigen, während man die ursprünglichen Bleistiftstriche behält. Wie sinnvoll eine Anschaffung auch sein mag, so teuer ist sie auch – aber mit einigen wenigen Schritten kann man sich leicht einen Lichttisch selber bauen.

Vierkanthölzer © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Um einen Lichttisch selber bauen zu können, benötigt man ein paar preiswerte Materialien aus dem Baumarkt, relativ genaue Abmessungen und ein ganz klein wenig handwerkliches Geschick. Da die Einzelteile aber selten wirklich teuer sind – im Gegensatz zu einem gekauften Lichttisch – muss man sich keine Sorgen machen, falls man beim ersten Versuch keinen Erfolg hat. Die folgende Bauanleitung für einen Lichttisch ist übrigens nur eine der vielen Möglichkeiten, um in den Genuss einer solchen Zeichenhilfe zu kommen: Viele Zeichner stellen sich einfach eine Lampe unter einen Glastisch oder halten ihre Blätter an ein Fenster, um den gleichen Effekt zu bekommen.

Lichttisch: Funktionsweise und Aufbau

Haken und Nägel © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Die Funktionsweise eines Lichttisches liegt dabei eigentlich auf der Hand: Eine Lichtquelle beleuchtet von hinten ein Blatt Papier, so dass man auf einem zweiten Blatt Papier die Linien nachziehen kann. Hierzu empfiehlt es sich, eine durchsichtige Platte zwischen der Lichtquelle und der Auflage zu platzieren, um eine glatte Unterlage zu haben und bequemer arbeiten zu können. Wie durchsichtig die Platte ist, und wie stark die Lichtquelle sein muss, beziehungsweise, wo sie sich befindet, muss ausprobiert werden, denn auch hier ist jede Zeichnerin und jeder Zeichner unterschiedlich: Manche mögen direktes Licht durch eine absolut durchlässige Glasscheibe, andere bevorzugen diffuses Licht von den Seiten durch eine milchige Platte. Die Lichttisch Anleitung geht hier vom ersteren Fall aus und verwendet ziemlich starke Grubenleuchten, die das Papier maximal erhellen.

Einen Lichttisch bauen: Die Materialien

Grubenleuchten ©Daniel Gramsch/Aicomic.com

Alle benötigten Materialien bekommt man im Baumarkt – manche muss man auf das richtige Maß zuschneiden oder zuschneiden lassen. Am Besten, man misst vorher aus, wie viel Platz man auf dem Zeichentisch für die Auflage frei machen möchte oder kann. Die Auflagefläche, die zum Schluss genutzt wird, sollte aber zumindest A3-Größe haben; besser ist es, eine Größe zu wählen, bei der man auch weitere Arbeitsmittel auf dem Lichttisch ablegen oder die Arme abstützen kann.

Spanplatte © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  • Vierkanthölzer: Wir benötigen vier gleich große Vierkanthölzer und noch einmal vier, die etwas kleiner sind. Die Idee ist, zwei Rahmen zu bauen, die ineinander greifen und eine kleine „Treppe“ bilden, in die später die Glasscheibe eingefasst wird.
  • Nägel: 8 lange Nägel und mindestens vier kurze halten diese Rahmen und die Rückwand zusammen.
  • Hakenschrauben: Die Hakenschrauben fixieren die Beleuchtung.

    Plexiglas © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  • Grubenleuchten: Mindestens drei Grubenleuchten sollten nebeneinander so angebracht werden, dass ihr Licht gleichmäßig auf die später zu bearbeitende Fläche fallen kann.
  • Spanplatte: Eine beschichtete Spanplatte hält auf der Rückseite das Konstrukt zusammen – am Besten hat sich eine mit weißem Lack überzogene Platte bewährt, da sie das Licht reflektiert und so zusätzliche Sicht ermöglicht.
  • Plexiglasplatte: Mit einer solchen durchsichtigen Platte wird die Vorderseite abgedeckt, so dass das Licht durchdringen und man trotzdem das Papier auflegen kann.
  • Werkzeug: Ein Hammer, ein Bohrer, eine Säge, eine Zange, ein Schraubenzieher – mehr benötigt man nicht, um den Lichttisch bauen zu können.

Arbeitsschritte beim Bau eines Lichttischs

  1. Sägen: Man sägt das größere Vierkantholz in vier gleiche Teile.

    Arbeitsschritt 1 © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  2. Äußerer Rahmen: Die großen Vierkanthölzer werden so aneinander gelegt, dass sie einen Rahmen ergeben. Mit vier langen Nägeln zimmert man sie an den Ecken so zusammen, dass der so entstandene äußere Rahmen stabil ist.
  3. Sägen: Nun misst man die inneren Längen des Rahmens ab und zersägt das kleinere Vierkantholz den passenden Abmessungen gemäß.
  4. Arbeitsschritt 2 © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  5. Innerer Rahmen: Die kleineren Vierkanthölzer werden ebenso wie die größeren genagelt. Wenn man passgenau gearbeitet hat, kann man den inneren Rahmen in den äußeren problemlos einfügen.
  6. Rückwand: Die Spanplatte, die man entweder selbst auf die richtige Größe gebracht hat oder im Baumarkt passend hat sägen lassen, wird an beide Rahmen angelegt und mit den kleineren Nägeln fixiert, so dass innerer und äußerer Rahmen nicht hin- und herwackeln können.

    Arbeitsschritt 3 © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  7. Halterung: Jetzt muss man sich entscheiden, wo die Lichtquelle herkommen soll. Gemäß der eigenen Vorstellung werden die Hakenschrauben im oberen Teil des inneren Rahmens angebracht, so dass die Grubenleuchten eingehängt werden können.
  8. Kabel: Man sägt kurz über dem unteren Rand des inneren Rahmens ein Loch, das groß genug für die Stecker und die Kabel ist, in die Rückwand, um beides so hindurch zu ziehen, dass sie später weder die Glasplatte anheben, noch beim Zeichnen stören.
  9. Arbeitsschritt 4 © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  10. Plexiglasplatte: Zum Schluß legt man die Plexiglasplatte, die ebenfalls im Baumarkt in die entsprechende Größe gebracht wurde (sie muss identisch zu der Länge und der Höhe des inneren Rahmens sein – also die Länge des unteren und oberen kleinen Vierkantholzes plus der Breite beider seitlichen Hölzer) auf den inneren Rahmen, so dass er auch vom äußeren Rahmen festgehalten wird.

Es gibt bestimmt Lichttisch-Systeme, die noch besser ineinander greifen und mit echter Handwerkskunst noch stabiler sind oder cleverer aussehen, doch ist die Methode erstaunlich leicht an einem guten Nachmittag gemacht und kann viele Jahre halten, da sich die einzelnen Komponenten größtenteils selbst stützen. Damit dieser Lichttisch auf dem Zeichentisch hält, sollte man eine Keil-Vorrichtung bedenken, die das Konstrukt von unten vorm Wegrutschen bewahrt. Auch eine Halterung von oben, durch Seile etwa, ist prinzipiell denkbar, könnte aber wackelig sein.

Mit einem solchen Lichttisch steht der späteren Arbeit an den Comicseiten nun nichts mehr im Wege: Seien es schwierige Perspektiven oder Gegenstände oder nur der schonende Umgang mit den Originalseiten beim inken.

Arbeitsschritt 5 © Daniel Gramsch/Aicomic.com

In der nächsten Woche beginnen wir bei unserem Aicomic-Zeichenkurs dann mit der Figurenentwicklung. Im ersten Abschnitt dieses Bereichs werden wir uns mit der Ideenfindung, dem Genre und den sich daraus ergebenden Design-Möglichkeiten beschäftigen.

Bis dahin: Viel Spaß beim Comiczeichnen!

2 Antworten zu “Zeichenkurs, Exkurs 1: Wie baue ich einen Lichttisch?”

  1. Lisa sagt:

    Wow ich muss sagen ich bin begeistert über die Anleitung. Ich zeichen zwar nicht aber ich fotografiere und suche so einen Lichttisch auch shcon seit längerem. Nun hast du mir den Denkanstoß gegeben das ganze einfach selber zu bauen. So schwer sieht das ja gar nicht aus.

    Nur 1 Frage. Ich muss also die platten zusammenschrauben richtig? ich habe nun daran gedacht mir diese Spanplattenschrauben dafür zu bestellen. Ist das das richtige oder was für Schrauben nimmt man da in der Regel?

    • Daniel sagt:

      Hallo Lisa,

      im Prinzip ist die Sorte der Spanplattenschrauebn nicht so wichtig. Du musst nur aufpassen, dass die Schrauben die richtige Länge haben, damit sie einerseits genügend Festigkeit bieten, andererseits nicht hinten wieder herauskommen.

      Viel Spaß beim Bauen und Schrauben 🙂

      Gruß
      Daniel