Zeichenkurs, Lektion 1: Zeichenwerkzeug, Material und Utensilien

Willkommen zur ersten Lektion im Online-Zeichenkurs bei Aicomic.com! Bevor wir mit dem Zeichnen richtig loslegen, werden wir uns zuerst mit dem Material beschäftigen, das wir dringend für die einzelnen Schritte brauchen. Zeichenwerkzeug ist dabei im höchsten Maße subjektiv: Jeder muss herausfinden, mit welchen Utensilien man am Besten klar kommt.

Lineale und Zirkel © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Beim Zeichenwerkzeug kommt man aber dennoch an einigen grundlegenden Materialien nicht vorbei: Ohne Stift und Papier geht beim Comic nichts – auch wenn es nur virtuell vorhanden ist. Denn manche Zeichner haben nicht nur einzelne Abschnitte, sondern die ganze Arbeit an den Computer verlegt. Ein gutes Sortiment an Utensilien sollte man sich aber trotzdem beschaffen, wobei man auch nicht unbedingt auf bestimmte Marken oder Preise wertlegen muss: Es gibt auch hervorragende Comiczeichner, die mit einem Kugelschreiber arbeiten können.

Bleistift, Papier, Radiergummi – das wichtigste Zeichenwerkzeug

Die Grundlage für Comicseiten ist logischerweise das Papier. Während es im Bereich der amerikanischen Comics und bei den japanischen Mangas spezielle Papiersorten gibt, die bereits eine grobe Bildeinteilung inklusive Beschnitt und Informationsbereich beinhalten, kann man im Prinzip jede Form von Papier verwenden, mit der man sich wohl fühlt. Einige Eigenschaften sollte man aber beachten:

  • Papierstärke: Manche Zeichner mögen es, auf Karton zu zeichnen, andere bevorzugen dünnere Papiere. Man sollte aber beachten, dass man vermutlich häufig radieren muss und man dann keine Löcher in den Seiten haben möchte. Mindestens 180 Gramm sind also eine gute Idee, in einem Zeichencenter bekommt man meistens 190 Gramm Papier auf einem Skizzenblock.
  • Papiergröße: Comics sollten nie zu klein gezeichnet werden. Man geht bei den Zeichnungen von etwa der doppelten Größe des späteren Drucks aus – ein A4-Buch oder Heft im amerikanischen Format sollte also im Besten Fall auf A3 angelegt werden, ein Mangabuch funktioniert theoretisch auch auf A4.
  • Papiereigenschaften: Vor allem für Bleistiftzeichnungen sollte man ein relativ raues Papier nehmen, denn auf zu glattem rutschen harte Bleistifte weg und weiche verschmieren leicht. 190 Gramm mittelraues, griffiges Papier hingegen kann für verschiedene Arbeiten verwendet werden, reguläres Kopiererpapier eignet sich gut für Vorzeichnungen oder Skizzen und glattes Laserjet-Papier hat sich bei verschiedenen Ink-Techniken bewährt.

Bleistifte © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Der nächste Abschnitt beim Zeichenwerkzeug betrifft natürlich den Bleistift. Hier ist es wiederum eine Frage des Gefühls, ob man lieber harte oder weiche hat, solche zum anspitzen oder Druckbleistifte. Da man schon in dieser Phase beim Comicschaffen unterschiedliche Dinge tun muss, wie zum Beispiel Layout, vorzeichnen, abschattieren und dunkle Flächen füllen, sollte man einige Bleistifte zur Hand haben.

  • blauer Buntstift: Mit einem Buntstift in hellem Blau kann man gut layouten – da Kopierer, Druckmaschinen und die meisten Scanner die blaue Farbe der Linien nicht erkennen, muss man sie auch nicht wegradieren. Um zu entscheiden, wo ein Kopf und wo eine Hand hinkommt oder welche Perspektive man zeigen will, sind sie ideal.
  • harte Bleistifte: Ab dem Härtegrad H aufwärts kann man damit sehr genaue, jedoch auch recht blasse Linien ziehen, die sich oftmals stark ins Papier eindrücken. Ich verwende meistens einen 2H Bleistift für die ersten Zeichnungen über dem blauen Layout, da ich mich in der Linienführung somit noch nicht festlegen muss, wenn ich ihn nur leicht aufdrücke. Veränderungen sind dann einfach durchführbar und die 2H-Linien stören auch nicht das Auge.
  • weiche Bleistifte: Mit weichen Stiften ab HB kann man Linien nachzeichnen, Flächen füllen und Highlights setzen. Ich benutze HB für die Umrandungen und 2B für Flächen.
  • Druckbleistifte: Sie können sehr praktisch sein, wenn man genau weiß, welche Linien man setzen möchte, denn sie sind sehr genau, werden nicht stumpf und man muss sie nicht anspitzen. Auch hierbei gibt es verschiedene Stärken, wobei die Unterschiede in der Praxis marginal sind. Man muss bei ihnen aufpassen, welchen Umfang die Minen haben, denn nicht alle passen in jeden Druckbleistift.

Radiergummis sind ebenfalls zwingend notwendig, da man mit ihnen Fehler ausbessern kann, bevor man sich auf eine Zeichnung festlegt. Manche schmieren leicht, andere machen das Papier kaputt – man muss durch sehr viel Ausprobieren herausfinden, mit welchem Radiergummi man besonders gut arbeiten kann.

Radiergummis und anderes © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  • weiße Radiergummis: In meiner Erfahrung die Besten, da sie selten schmieren und das Papier in Ruhe lassen.
  • durchsichtige Radiergummis: Findet man häufig in Ferdermappen und dergleichen. Sollte man lieber sein lassen.
  • rot-blaue Radiergummis: Können funktionieren, aber auch zu hart sein. Muss man ausprobieren.
  • Radiergummi Stifte: Meistens mit weißen Gummi bestückt. Sehr praktisch für sehr feines Arbeiten.
  • elektrische Radiergummis: Gottes Geschenk an die Comiczeichner. Nicht nur, dass sie hervorragend radieren und – wenn man sie richtig verwendet – dem Papier nicht schaden, man kann mit ihnen auch sowohl große Flächen als auch kleinste Striche bearbeiten.

Weiteres Material: Fineliner, Federn, Lineale

Weitere Lineale © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Freihand-Linien haben ihren eigenen Charme, doch für viele Dinge besonders im Hintergrund (Häuser, Türen, andere Formen) und für selbst gestaltete Sprechblasen sind Lineale die Waffen der Wahl. Neben verschiedenen Größen und Längen sollte man sich auch solche mit Formen und Rundungen besorgen – man weiß nie, wozu man auch die abgefahrensten Lineale einmal brauchen kann.

Ein besonders wichtiger Punkt, der gerne unter den Zeichentisch fällt, ist das Material zum Inken. Tuschezeichnungen können auf alle möglichen Arten und jeweils dem Stil angemessen verwendet werden, auch wenn es teilweise schon beinahe religiöse Diskrepanzen bei der Frage Fineliner oder Feder und Scriptol gibt.

Fineliner © Daniel Gramsch/Aicomic.com

  • Fineliner: Manche mögen sie gar nicht, andere können nicht ohne sie. Am Besten, man hat Fineliner in verschiedenen Stärken zur Hand (beispielsweise 0,7 Millimeter für Umrandungen im Vordergrund, 0,5 für gröbere Linien, die Panels oder den Hintergrund, 0,3 bei Falten, Schatten, Kanten etc. und 0,1 für Details wie Wimpern oder besonders wichtige und feine Linien).
  • Feder und Scriptol: Der Klassiker beim Inken schlechthin. Hierfür gibt es eine große Palette an Federn, die auf den Halter gesetzt werden können und unterschiedliche Effekte und Linienstärken hervorrufen. Sie funktionieren auf einer glatten Unterlage deutlich besser, aber man muss aufpassen, dass die Tusche nicht wegläuft und die Feder das Papier nicht zerkratzt.
  • Filzstifte/Permanentmarker: Ebenfalls in verschiedenen Größen erhältlich und allesamt sind sie sinnvoll. Denn gerade bei schwarze Flächen bekommt man mit ihnen eine besonders gleichmäßige Farbverteilung hin. Man sollte auch für Ecken und Kanten relativ feine Filzstifte parat haben.
  • Pinsel: Man kann auch mit kaligraphischen Pinseln inken. Je nach Pinselspitze bekommt man so feine Linien oder breite Flächen. Auch Pinselstifte mit austauschbaren Minen sind äußerst praktisch, denn mit ihnen kann man Schwung und Dynamik in die Zeichnungen bringen, ohne sich mit Pinselstrukturen auskennen zu müssen.

    Feder und Scriptol, Copics und Pinsel © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Man sollte neben diesen Dingen auch immer Tipp-Ex in verschiedenen Formen da haben, sowie Tesa-Film, um zum Beispiel das Papier ohne Rückstände am Tisch befestigen zu können, wenn man sehr genau arbeiten muss.

Hilfreiche Utensilien: Zeichentisch, Lichttisch, Farbe und Software

Zeichentisch © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Natürlich kann man auch an Muttis Küchentisch arbeiten – an einem richtigen Zeichentisch geht es allerdings um einiges besser. Dazu braucht man sich allerdings nicht riesige Ungetüme für viel Geld aus dem Architekturbedarf anzuschaffen, auch ein nur einseitig verstellbarer Schreibtisch tut seinen Dienst. Der Neigungswinkel muss so eingestellt sein, dass man bequem sitzt und arbeitet, ohne einen lahmen Arm zu bekommen, das Papier nicht ständig zu Boden segelt und das Scriptol nicht ausläuft (man kann die Dose recht einfach mit Scotch-Tape am Tisch festkleben, aber die Tusche sollte trotzdem einigermaßen gesichert sein).

Ein Lichttisch ist eine großartige Sache, wenn man verschiedene Motive auf einem Bild zusammenbringen möchte („durchpausen“ quasi) oder die Tusche nicht auf das Original bringen mag. Mit einer Plexiglasscheibe und einer Lichtquelle kann man so zwei Seiten übereinander legen und bearbeiten. In der nächsten Woche erkläre ich Euch, wie man sich einen Lichttisch selber bauen kann und damit eine Menge Geld spart – denn auch hier sind die Profi-Tische wieder exorbitant teuer, während man die Einzelteile leicht und preiswert im Baumarkt bekommt.

Lichttisch als Aufsatz © Daniel Gramsch/Aicomic.com

Für die Farbe kann man ebenfalls einiges an Utensilien verwenden: Vom Buntstift über Aquarell bis zu Markern ist alles möglich. Die vermutlich sauberste Art zu kolorieren ist allerdings immer noch der Computer. Ein Wort zu Markern: Im Manga Bereich werden im Allgemeinen Copics verwendet, die höllisch teuer sind, aber dafür auch verdammt gut. Mit ihnen muss man allerdings auch umzugehen lernen. „Copic“ ist im Übrigen der Markenname, während es auch andere Hersteller gibt – wie beim Tesa-Film oder Tempo-Taschentuch hat sich allerdings dieser Name für alle Marker irgendwie durchgesetzt.

Schlussendlich muss man seine Comicseiten irgendwie in den Computer bekommen – selbst wenn man alles per Hand macht müssen die Seiten ja zum Drucker kommen, und der möchte sie meistens in digitaler Form haben. Wir brauchen dafür also einen Scanner, der sowohl Graustufen (Bleistift), schwarz-weiß (Inks) und Farbe gut scannen kann. Zur Weiterbearbeitung empfiehlt sich folgende Software:

  • Kolorieren: Für die Farbe wird ein Pixel-orientiertes Programm benötigt. Photoshop (auch in älteren Versionen) ist wie immer im graphischen Bereich die erste Wahl, aber auch freie Programme wie GIMP haben die Funktionen, die man braucht.
  • Sprechblasen: Man kann Sprechblasen ebenfalls in einem solchen Pixel-Programm bauen, Vektor basierte Programme eignen sich besser. Freehand mag veraltet sein, ist aber für Sprechblasen weiterhin nicht schlecht, während Illustrator die neuen Funktionen erfüllt. Die erste Anlaufstelle ist allerdings InDesign, denn mit diesem Programm kann man auch weitere Layout-Schritte machen.
  • Layout: Wer InDesign besitzt, benötigt eigentlich kein weiteres Layout-Programm. Ansonsten wäre dies eine gute Möglichkeit, einmal in QuarkXPpress reinzuschnuppern.

Mit diesem Zeichenwerkzeug kann man dann gut ausgerüstet mit der Arbeit beginnen. Bevor es jedoch soweit ist, kommt nächste Woche im Zeichenkurs bei Aicomic.com erst einmal eine Bauanleitung für einen Lichttisch.

Bis dahin: Viel Spaß beim Comiczeichnen!

Weiterführende Links:

http://www.hahnemuehle.com

http://copicmarker.com/

3 Antworten zu “Zeichenkurs, Lektion 1: Zeichenwerkzeug, Material und Utensilien”

  1. Basti98 sagt:

    Sally Kollegahs,
    ick find die Seite übel krass geil… Mein Hibby is ja det Comic zeichnen und mit dieser krass geilen kranke kake leg ick jetzt ma los, oda wat ment ihr?

  2. malin.farben sagt:

    Endlich ein Seite zum Comic zeichnen!
    Hab bis jetzt nur die Einleitung und die Zeichenmaterialien studiert, aber das macht alles einen sehr guten Eindruck.
    Gibt es hier eigentlich sowas wie eine Gästegalerie? Wo man seine Werke präsentieren und evtl. besprechen kann?
    gruß

    • Daniel sagt:

      Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, halte das aber für einen super Vorschlag muss ich sagen!
      Ich schaue mal, ob ich etwas in diese Richtung aufbauen kann. Wäre eine tolle Möglichkeit, gemeinsam mit Euch Eure (und meine bescheidenen) Werke zu diskutieren.
      Hat jemand Vorschläge, wie man das gestalten könnte? Ich freue mich immer über Input…

      Gruß
      Daniel